Lo and The Magnetics - Ska aus Kanada
Mit Superlativen soll man ja bekanntlich geizen, understatement ist eben auch ein Statement, aber bei Lo And The Magnetics schmelzen die Polkappen der westfälischen Zurückhaltung und selbst im Umfeld des Schreibers dieser Zeilen fallen Aussagen wie 'Debbie Harry der Skamusik' und ähnliche Schmeicheleien der sehr erfreulichen Art.

Zugegeben - ja - wir können nicht anders. Fr. Mullers Charme ist schon umwerfend und wer 'A Part' von den liebenswerten Kanadiern hört, wird kopfnickend zustimmen. Eleganz und Unbeschwertheit irgendwo zwischen Blondie, Madness und dem besten Agentenfilmsoundtrack aller Zeiten. Sicherlich ein weites Feld, aber Lo & The Magnetics haben sich an genau den richtigen Töpfen der Popmusik bedient, um daraus ihr ureigenes und eingängiges Gericht zu kochen. Inklusive Streichquartett.

So wirklich verwunderlich ist das nicht, war Lorraine Muller früher beispielsweise bei den Kingpins, Kanadas bekanntester Ska Band und an den Reglern des Albums 'A Part' saß Mitch Gírio, der früher bei dem anderen Aushängeschild der kanadischen Offbeat-Szene, King Appartus, tätig war.

Lange war Skamusik nicht mehr so charmant und sinnlich. Lo And The Magnetics bringen einen dazu ungewöhnlich zu Urteilen und sind dabei selber alles andere als gewöhnlich. (Info: Grover Records )

Lo and The Magnetics sind:
Lorraine Muller - vocals, baritone sax
Mike Gasseldorfer - drums & percussion
Russ Cooper - bass guitar
Chris Raz - guitar, organ/keyboards, backvocals
Dan Meier - tenor sax, bass clarinet, synth/keyboards

Link zur Lo and The Magnetics-Homepage

Konzertbericht: Lo & The Magnetics im Thalia in Wuppertal am 9.12.2004
   
Perry Slalom: »Sind es nun die alten Kingpins im neuen Gewand oder ist es Lorraine Muller mit einer neuen Band? Solche Fragen können mitunter durch sorgfältigen Vergleich der Booklets geklärt werden, mitunter kommt ein eifriger Redakteur aber auch auf die Idee, selbst mal nachzufragen. Eine solche Nachfrage irgendwann während eines verdammt geilen Festivals brachte jedenfalls eine einleuchtende Antwort: ja!

Eigentlich saß man als die Kingpins an einem neuen Album und merkte dabei, dass man sich musikalisch sehr weit von den Vorgängern entfernt hatte, indem man die eigenen Vorlieben für die (schlechtere) Musik der 80er, insbesondere des Geistes der New Wave, hemmungslos in die eigenen Songs strickte. So kam nicht nur ein völlig neuer Sound zustande, sondern auch der neue Bandname, um für sich selbst und nach außen diese Veränderung zu demonstrieren.

'A Part' stellt eine Ausnahmeerscheinung im Ska dar. 'Poppig' ist das Prädikat, mit dem das Album wohl recht häufig bedacht wird, ohne der Musik wirklich gerecht zu werden. Persönlich ist es nämlich geworden. Tiefen Einblick in die Seele von Lorraine eröffnet es einem, Verletzliches kommt dort zum Vorschein, Ergreifendes, aber auch Hoffnungen, Freude und Spaß werden erweckt. Wer auf eine musikalische Richtungsangabe nicht verzichten mag, dem sei von der 08/15-Beschreibung 'irgendwo zwischen Blondie und Madness' dringend abzuraten. Ein Hauch Cardigans, ein Hauch Air und ein gehöriges Maß kanadisch frei interpretierter Offbeat über melancholischen, leicht fröhlichen, aber stets ungemein einprägsamen Melodien treffen auf musikalische Themen und Stilmittel der New Wave.

Mit 'A Part' legen Lo & The Magnetics eigentlich das beste Ska-Album seit dem letzten besten Ska-Album hin, aufgrund ihrer Offenheit für skafremde Stilmittel dürfte jedoch zumindest die verstockte Glatzenszene ihre Probleme mit der Scheibe haben. Die Hoffnung bleibt, dass das Album als der Meilenstein in Erinnerung bleibt, den es letztlich tatsächlich darstellt. Mit seiner Eignung auch für Ska-untrainierte Ohren sollte 'A Part' seinen Anteil am Ska-Aufschwung dieses Jahrzehntes jedoch nachhaltig leisten können. By The Way: keine Band der Welt ist mir persönlich momentan sympathischer, von der Musik und von der fantastisch offenen Art der Musiker her.«

Lo and The Magnetics - A Part
1. Insult & Battery
2. Fool On Impact
3. Out
4. This Town's Unbearable
5. Interlude: Mike's Fridge
6. Courage
7. Party Of One
8. Come On, Bring It Home
9. Fahion Victim
10. Interlude: Swiss Knight
11. Sooner Or Later
12. Shipwrecked Heart
13. Interlude: "interruptions"
14. The Next Top 5
15. Tachee
16. I Never Let You Down
17. Greatest Hits
CD: Grover, 2004

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