Interview mit den Blue Babies am 29. Oktober 2010 von The Skanking Cats

  
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Dietlind (für die unwissenden: das ist Skanking Cats Freundin) und ich hatten anläßlich des Blue Babies-Konzert am 29. Oktober 2010 in der 'Alten Post' in Oelde die Gelegenheit zu einem ausführlichen Gespräch mit Thias Conzelmann, dem Sänger und Bassisten der Band.

Schön das Ihr wieder hier seid. Ist es jetzt fest in Eurem Tourplan einmal im Jahr hier zu spielen?

Thias: Wir sind immer auf der Suche nach guten Locations wo man Fußfassen kann. Krefeld ist seit guten 4 Jahren unsere Hochburg neben Freiburg, unserer Wahlheimat. Dann gucken wir, was liegt da plus ca. 100/200 km drumherum. Und da stand Oelde im letzten Jahr bei Niko auf dem Plan. Er hat bei der "Alten Post" angerufen und wir sind relativ spontan an den Gig herangekommen. Hier passt einfach alles. Du kommst rein, die Leute sind nett, das macht schon viel aus. Die Clubs stehen und fallen mit dem Besitzer bzw. dem Veranstalter. Hier - genau wie in Krefeld - merkt man, dass die Leute da hinter stehen und auch die nötigen Ambitionen haben. Wir haben schon ganz andere Dinger erlebt, wo uns z. B. der Besitzer bei unserem ersten Konzert gesagt hat, dass er hier und da noch Sachen verbessern will, z. B. ne neue Anlage usw. Dann kommt man da wieder hin und man sieht, dass sich nichts getan hat, im Gegenteil: es ist noch schlimmer geworden. Und das ist hier ganz anders - OK, die Bühne ist etwas klein für 5 Jungs - aber von der Atmosphäre und der Technik her geil, von der Betreuung cool. Du merkst, die Leute denken mit. Letztes Jahr war erstaunlich viel los dafür, dass wir hier in der Gegend kaum gespielt haben, so dass wir recht schnell nach dem Gig gesagt haben: OK, das müssen wir wiederholen und jetzt sind wir wieder hier.

Ihr hab mal in Clarholz vor gerade mal 20 Leuten - wenn überhaupt - gespielt.

Thias:
Inklusive der Vorband und deren Kumpels.

Wie ist das für ne Band vor so wenig Leuten zu spielen?

Thias: Das ist nicht unser Minusrekord. Wir haben auch schon mal vor 2 Leuten gespielt. Das Ding ist: wir spielen immer gerne. Wenn wenig Leute da sind, ist unsere Motivation sogar noch höher, aus einem Gig wirklich was zu machen. Die Leute - wenn auch nur 20 Zuschauer am Start sind - haben sich vielleicht freigenommen oder haben sich überlegt, da könnte man hingehen und da haben sie es doch mehr als verdient eine Band zu sehen, die versucht alles zu geben. Wir empfinden es auch nicht als frustrierend vor nur wenigen Leuten zu spielen, zumal wir nicht die Ambitionen haben mit unserer Musik großartig berühmt oder mal in den Charts gespielt zu werden, sondern im Prinzip ist es so ne Spaßgeschichte.

 Ich fand das damals sehr beeindruckend, Ihr habt wirklich alles gegeben und ich rechne es einer Band sehr hoch an in so einem Fall so zu spielen als wäre es ihr letzter Gig.

Thias: Da spreche ich aus eigener Zuschauererfahrung: als ich damals zum erstenmal Boppin´B - die nächstes Jahr ihr 25jähriges Bandjubiläum haben - gesehen habe, irgendwo in einem Miniclub. Da war es auch so. Der Barkeeper, wir drei und noch ein paar wenige Leutchen waren da und die Jungs kamen auf die Bühne und haben mal eben locker 2,5 Stunden abgerockt. Das war so ein Aha-Erlebnis. Die Band ist da, die Zuschauer - egal wieviele - sind da, wieso sollte man sich den Abend also vermiesen?

Das war wirklich ne tolle Show in Clarholz, auch wenn´s stimmungsmäßig - aufgrund der wenigen Zuschauer - nicht so doll war, aber dafür war es letztes Jahr hier (in der "Alten Post") der Hammer.

Thias: Stimmt, das war toll. Vor allem weil die Leute uns gar nicht kennen. Es kam ja niemand hier her - außer Euch - denen der Name irgendwas gesagt hätte. "Blue Babies" ist ja nicht gerade der Inbegriff für Ska. Ich denke es hat sich hier im Ort rumgesprochen und da die "Alte Post" auch eine Art Jugendzentrum ist, hat sich das so entwickelt. Ich finde es immer wieder faszinierend, wieviele unterschiedlichen Arten von Leuten mit unserer Musik Spaß haben können.

Das Konzert im letzten Jahr war ziemlich lang, ist man als Musiker geschmeichelt wenn die Zuschauer einen nicht von der Bühne lassen wollen oder ist man dann körperlich so fertig das man einfach nicht mehr kann?

Thias: Eher letzteres. Also es gibt schon beides - je nachdem was es für ein Abend ist. Aber wenn es dann ein Club ist, wo noch geraucht werden darf und du den ganzen Abend singst, geht das irgendwann an die Substanz. Es gab schon Situationen wo ich kurz vor dem Kollaps stand weil ich einfach nicht mehr atmen konnte. Es ist aber auch eine wechselseitige Geschichte. Wenn Du merkst, die Leute drehen durch, tanzen Pollonaise und plötzlich stehen die Fans auf der Bühne und Du selber im Zuschauerraum. Daraus schöpfst du auch wieder Energien, das puscht dich wieder. Du holst Energien aus Dir raus, von denen du gar nicht wußtest, dass es die in deinem Alter noch gibt.

Wo Du gerade das Alter ansprichst, seit wann gibt es Euch?

Thias: Die Babies gibts seit 18 Jahren. Als Rockabilly-Trio entstanden, von der Urbesetzung gibts nur noch mich. Im Laufe der Jahre gab es immer mal Umbesetzungen.

Weil Ihr euch zerstritten habt?

Thias: Nee, gar nicht.

Ist aber nicht so ungewöhnlich.

Thias: Das kommt immer mal vor, gerade weil Musiker Individualisten sind, da kanns schnell Reibereien geben.  Aber das war bei uns nicht der Fall. Man kann sagen das mittlerweile die dritte Generation am Start ist: wir haben bzw. hatten 3 Gitarristen, 3 Saxophonisten, 3 Schlagzeuger.

In dieser Besetzung sind wir jetzt seit 5 Jahren, der "Neueste" ist Rainer, am Akkordeon.

 
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Akkordeon ist auch eher ungewöhnlich in einer Ska-Band. 
Thias:
Es ist ein echt unterschätztes Instrument. Bei Akkordeon denkst Du gleich an Volksmusik, zumindest hier in Deutschland.

Oder an Shanty-Chor.

Thias: Genau, Hans-Albers-mässig. Wir haben uns 1992 gegründet und das nächste was kam war nicht das Saxophon sondern das Akkordeon. Wir waren inspiriert von alten Jive-Songs aus den 50ern. Bill Haley hatte ganz am Anfang Akkordeon, aber das hört man nicht raus. Was sonst die Rhythmus-Gitarre oder das Saxophon im Hintergrund machen, wurde über das Akkordeon mitgestaltet. Das hat uns sehr fasziniert, der ganz spezielle Klang. Das kriegt man mit der Hammond nicht hin, klingt zwar auch geil aber beim Akkordeon haste schon einige Register die du ziehen kannst, du hast verschiedene Klangfarben die du verwenden kannst. Aber mich hat von Anfang an dieses akkustische Prinzip begeistert. Letztendlich sind wir "nur" eine akkustische Band die zufällig noch an Verstärkern angeschloßen ist aber wir haben auch schon unplugged gespielt. Wir sind keine klassische Ska-Band, da fehlt uns allein schon der Bläsersatz, wobei das aber durch das Akkordeon komprimiert werden kann.

Vor 2 Wochen haben wir die Hotknives gesehen, die seit der neuen Platte nun auch Bläser haben, sie haben zwar vorher nicht gefehlt aber jetzt wo man sie mit Bläsern gehört hat, merkt man, das es die Musik bereichert.

Thias: Das stimmt, gerade bei den Hotknives. Wenn man weit zurück geht, in den 60er Jahren war der Ska eine orchestrale Geschichte. Die hatten ganze Bigbands, wo schon alleine 8 Bläser den Offbeat geblasen haben, und zwar das ganze Lied durch. Und Anfang der 80er mit Madness, Bad Manners gab es Bands, bei denen die prägnanten Bläseristen wieder im Vordergrund standen, die im Prinzip sehr stark für Ska stehen. Ob du das mit Gitarren oder Bläsern machst ist so ne Soundgeschichte  aber im Prinzip ist es ähnlich. Insofern eröffnet es uns noch ganz andere Sound und stilistische Dimensionen.

Es ist ja auch ein spezieller Sound, man kann sich dadurch ein bißchen abgrenzen von anderen Bands.

Thias: Was wir nicht wollen ist in eine Schublade gepresst zu werden. Das sagen zwar viele Bands von sich aber gleichzeitig gibt es ja auch viele Bands, die für sich in Anspruch nehmen den original Ska-Sound authentisch rüber zu bringen.

Man schränkt sich dadurch ja auch ein.

Thias: Absolut. Im Prinzip sagst du dann, ich spiele für die Szene was ja auch OK ist. Aber du kommst über den üblichen Sound nicht hinaus. Das ist ja auch so eine Geschichte wieso die Busters damals in der Szene angeeckt ist, weil sie irgendwann auch mal ganz andere Einflüße mit reingenommen haben. Viele haben es als Pop-Ska verschrieen.

  

Wir haben sie Anfang September gesehen und es hat uns nicht besonders angesprochen.

Thias: Aber sie nehmen für sich auch nicht unbedingt in Anspruch eine Szene-Band zu sein und ich finde es OK weil sie eine ganz andere Klientel erreichen. Es ist immer interessant zu sehen wer auf diese Musik anspringt. Wir haben auch schon auf Dorffesten gespielt. Vor uns saßen ganze Familien inklusiv Kinder und Omis die regelrecht durchgedreht sind. Wir grenzen uns dadurch ab, dass wir laut sind. Das ist ein Element, was uns aus macht, die Lautstärke, der Druck. Es ist immer wieder faszinierend diese unterschiedliche Bestätigung zu erfahren. Das Szenepublikum steht manchmal mit verschränkten Armen vor der Bühne und wundert sich weil sie "A Message To You Rudy" hören, was nicht authentisch gespielt wird, verwundert gucken, aber dann doch ihren Spaß haben. Dieses Schienendenken aufzubrechen ist für mich sehr wichtig. Ich sehe es als Chance für die Leute, die gerne Musik hören, um neue Bereiche kennenzulernen und ihre Scheuklappen abzulegen.

  

Ist das auch ein Grund warum Ihr Lieder covert die nicht aus dem Ska-Bereich kommen?

Thias: Was die Covers betrifft sind es eher Lieder, die wir gerne spielen wollen. Wir überlegen uns welches Stück könnte gut passen. Wir haben auch Stücke gehabt wo wir gedacht haben das könnte gut passen, haben daraus eine Polka gemacht aber es funktionierte nicht. Dann muss man sich davon verabschieden. Die eigentliche Motivation steckt darin, das Stück erstmal richtig nackig zu machen und zu zeigen, man kann es auch anders präsentieren. "Tainted Love" ist ja so ne 60er Jahre Geschichte ist, aber als Pop New Wave etabliert. Oder "Das Model", das ist ein Fall wo wir uns den Song genau anschauen und denken, irgendwas steckt dahinter. Es klingt ein bißchen strange, hat erstmal nichts mit uns zu tun, und wir überlegen dann wie könnte es mit uns zu tun haben. Gerade mit der Instrumentierung, was Ihr auch schon angesprochen habt, dieser spezielle Sound, der auch nicht Gang und Gebe ist.

Da Du der letzte der Originalbesetzung ist, hast Du dann auch das letzte Wort, wenn es z. B. um Cover geht oder wird das bei Euch eher demokratisch geklärt?

Thias: Es war schon immer eine Demokratie und es ist bis heute auch so geblieben. Es gibt keinen ausgemachten Chef. Das kuriose ist, dass es überhaupt funktioniert, weil jeder aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommt. Der Drummer kommt aus dem Rockbereich, ich aus der Ska- u. Rockabillyecke. Ich bin der einzige der auch privat Ska hört. Bei den anderen ist es eher so, dass sie an die Musik herangeführt wurden. Und es ist immer spannend zu sehen, was dabei herauskommen kann. Die Entscheidungswege können durchaus länger sein als in einer Diktatur aber es ist natürlich fruchtbarer insofern, dass jeder seinen Beitrag dazu leisten kann. Unser gemeinsamer Nenner ist der Offbeat, der kommt zwar auch nicht immer vor, aber es sind viele Facetten, die jeder einzelne mitbringt.

Wer schreibt die Stücke?

Thias: Ganz unterschiedlich. Bei der letzten CD (F. B. I.) war Rainer mehr maßgebend. Allerdings haben wir in letzter Zeit mehr in Kooperation gemacht. Wir setzen uns - außerhalb der regulären Probezeit - zu zweit oder dritt zusammen. Jeder, der eine Idee hat bringt sie mit ein. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, was aus einer Grundidee entstehen kann.

Sind die Blue Babies Eure einzige Band oder spielt Ihr noch in anderen?

Thias: Wir haben im Schnitt zwischen 40 bis 60 Konzerte im Jahr, also durchaus eine Zahl bei der man nebenher noch Sachen machen kann. Wir ernähren uns von der Musik und jeder hat noch seine einzelnen Projekte nebenher. Sei es im Eventbereich, Tanzmusik. Ich habe noch das Duo "Orchester Hochstapler", der Name ist Programm, sich zu zweit Orchester zu nennen ist schon ne Frechheit.

  
  

Du erzähltest eben, wenn Ihr vor Szenepublikum spielt und ein Lied covert, das ursprünglich kein Ska-Stück ist, scheint das Publikum manchmal schockiert. Aber Ihr covert auch Ska-Lieder?

Thias: Live schon aber auf der letzten CD hatten wir covermäßig nur Songs, die aus anderen Genre kommen. Original Ska-Lieder haben wir noch nicht auf Platte, weil es schwierig wäre das Lied Blue Babies-tauglich hinzubekommen. Viele Ska-Stücke sind schwierig umzumodeln. Wir spielen live Stücke wie "One Step Beyond" oder "A Message To You Rudy". Aber auf Platte ist es nach wie vor unsere Spezialität, Songs die die Welt nicht braucht in ein neues Gewand zu kleiden. Es sind ja viele Songs verschrieen, weil das Original schlecht produziert ist oder in einem Soundkleid daher kommt, das vielleicht schon angestaubt ist, so 80er-Jahremäßig.

Lieder die die Welt nicht braucht - von denen gibt es weiß Gott genug - in ein neues Gewand zu kleiden, was würdest Du sagen welche 3-4 Bands haben Euch beeinflußt?

Thias: Das ist - bezogen auf die Band - schwer zu sagen. Da wir alle aus unterschiedlichen Richtungen kommen, hat jeder unterschiedliche Musik gehört. Bei mir wären Stray Cats zu nennen, aber auch The Busters mit ihrem Debütalbum "Ruder Than Rude", durch die ich als Heranwachsender erstmals mit Ska in Berührung gekommen bin. Aber es gab keine Band bei der ich gesagt hätte: "So möchte ich werden", es waren eher Inspirationsquellen. 

Gibt es Lieder von Euch, die Ihr jetzt so nicht mehr schreiben bzw. machen würdet? Also Lieder hinten denen Ihr heute nicht mehr steht?

Thias: Zum Glück haben wir textmäßig nur ganz wenige Songs die eine Message haben. Insofern stehe ich hinter allen Texten. Wenn es mal ein Lied gegeben hätte, das Gesellschaftskritisch ist und man steht da jetzt nicht mehr zu, wirds natürlich schwierig.

  

Oder vielleicht Songs die einem in nachhinein zu albern vor kommen?

Thias: Witzigerweise kam das bisher noch nicht vor. Jeder Song ist halt so wie er ist. Die Message in einem Lied wie z. B. "Aguggamidda" ist die, dass es keine gibt. Es ist quasi eine Antimessage. Er ist im Grundbau relativ stupide, und doch gibt es Nuancen, wo ich heute noch denke, okay, eigentlich ganz cool. Jede CD und jede Aufnahme hat ja auch so eine Art Zeitzeugencharakter. Nimm z. B. "Immer nur Ska" von El Bosso & Die Ping Pongs, das Stück ist nicht optimal produziert, hat aber einen wahnsinnigen Elan und Esprit.

Gibt es bestimmte Bands mit denen Ihr gerne mal auf der Bühne stehen wollen würdet?

Thias: Es gibt ne Menge Bands, vor denen wir Respekt haben, weil sie allesamt großartige Musik machen. Aber es ist nicht so, dass man jetzt sagt, dass man unbedingt mal mit dieser oder jener Band auf der Bühne gestanden haben muss. Man kann dann irgendwann mal in seiner Presseinfo erwähnen, mit wem man schon zusammen gespielt hat. Wenn man z. B. mit Prince Buster auf der Bühne steht, wird er ja nicht hinterher mit der Vorband ne Session machen. Es ist so ein Rock´n´Roll-Betrieb hinter der Bühne, die Vorband hat eine Kabine, der Hauptact hat gleich 10 Einzelkabinen und man kommt vielleicht kurz ins Gespräch, aber es ist nicht so, dass man sich musikalisch austauschen kann.

  

Die berühmte Inselfrage: Du strandest auf einer einsamen Insel, hast aber noch die Zeit Dich für eine bestimmte CD zu entscheiden, welche nimmst Du mit?

Thias: EINE?? Ich glaub, da würde ich mir lieber ne Kokosnuss an den Kopf schlagen und hoffen, dass ich davon taub werde, damit ich gar nichts mehr höre, und dann versuchen die im Inneren gespeicherten Songs durchzuhören.

Also was mich damals total umgehauen hat, war das Album vom Brian Setzer Orchestra "The Dirty Boogie", das hat mich schon sehr beeindruckt.

Aber um sich nur für eine CD zu entscheiden, gibt es einfach zu viele geile Bands, wie z. B. Cherry Poppin´ Daddies, die schon alles gemacht haben: vom Punk über Rockabilly bis zum Swing. Die neue CD ist z. B. komplett Ska.

Welche CD läuft z. Zt. in Eurem Tourbus?

Thias: Keine. Wir quatschen viel und diejenigen, die nicht quatschen, hören Musik vom MP3-Player.

Gab es ein bestimmtes Erlebnis, das Dich dazu gebracht hat ein Instrument spielen zu wollen?

Thias: Ich komme aus einer musikalischen Familie, mein Vater war Kirchenmusiker und wir Kinder haben von Anfang an Instrumente lernen dürfen. Bei mir ging das los mit Blockflöte, dann ein bißchen Klavier. Auf den Bass bin ich damals gekommen - da gab es wirklich ein Schlüsselerlebnis, und zwar in Hamburg. Da habe ich eine Straßenkombo gesehen. In der hat auch ein Kontrabassist gespielt, der geslappt hat.  Das habe ich dort zum ersten mal gesehen und gehört, da war ich um die 15. Diese Art den Bass zu spielen hat mich sehr fasziniert. Zuhause hab ich mir dann relativ schnell einen Basslehrer gesucht und recherchiert - ohne Internet - z. B. durch anhören von alten Aufnahmen.
Der Bassist von den Scum Boys - einer Psychobillyband aus Frankreich die in den 90ern ihre große Zeit hatten - hat mir damals die ersten Griffe gezeigt. So ging das im Prinzip los. 

Aber der eigentliche Funke war die Musik an sich. Die Energie zu spüren und sich zu überlegen, womit hängt diese Energie zusammen und wie kommt sie zustande. 

 

Gab es zwischenzeitlich einen Punkt, wo Ihr das Gefühl hattet, es läuft nicht mehr richtig rund und hattet sogar ans Aufhören gedacht?

Thias: Gerade bei Besetzungswechseln standen wir immer an einem Scheideweg. Letztendlich steht und fällt es mit den Leuten, mit denen Du das Ganze an den Start bringst. Da hatten wir aber auch immer das Glück an die richtigen Leute ran zu kommen, die das Konzept der Band fortgesetzt haben, bzw. sogar noch bereichert haben durch eine neue Nuance oder ihre eigene Spielweise.

Ist es denn schwierig neue Mitglieder zu finden? Und ist es wichtiger, das es musikalisch oder eher persönlich passt?

Thias: Beides, das Menschliche ist aber fast noch wichtiger. Sonst hast Du es nur mit Berufsmusikern zu tun. Es gibt eine ganze Menge, die gut spielen können, aber wenn es nicht passt, macht es keinen Sinn das Wochenende mit den Leuten zu verbringen. Es geht um den Spaß an der Sache und das musikalische Zusammenspiel.

An dieser Stelle herzlichen Dank an Thias, dass er sich viel Zeit für uns genommen hat. Das anschließende Konzert war (mal wieder) super und wir würden uns freuen, wenn die Blue Babies (spätestens) wieder in einem Jahr hier spielen würden.

  

Hier einige Links zu Videos vom Konzert:

Bollywood-Ska

Boney M. Medley

Das Modell

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