Im Auftrag des Herrn: MARK FOGGO
  
Der Sommer drückt draußen seine letzten Wärmestrahlen aus und wir waren den ganzen Tag am See. Endlich! Ich war dieses verregnete Drecksjahr tatsächlich nur zweimal in einem See schwimmen. Draußen sind die Biergärten voll, vor jeder kleinen Assi-Bar im Prenzlauer Berg scharen sich Hunderte um ihren Alkohol. Aber wir fahren weiter und würdigen sie keines Blickes, denn heute Abend lädt Mark Foggo ins Kesselhaus.

Wenn es jemanden gibt, dessen Konzerte eine hohe Unterhaltungsgarantie haben, dann ist es der Engländer, der seit 1979 in den Niederlanden lebt. Mark Foggo hat sich nicht nur eine stattliche Reihe an Spitznamen verdient, weil er schon seit halben Ewigkeiten Skamusik durch die Lande trägt, sondern weil er eine unglaubliche Bühnenpräsenz entwickelt. 'Mr Bean des Ska', 'Ska Clown', 'der Missionar des Ska', 'eine wilde Mischung aus Iggy Pop und Henry Rollins'. Irgendwie stimmt das alles und irgendwie stimmt es auch nicht; Mark Foggo ist wirklich einzigartig.
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Fotos: Stefan Metschke
brennweite.net
 
An diesem Abend ist das Kesselhaus für Mark Foggo und seine Skasters deutlich zu groß. In dem riesigen Raum verlieren sich um die hundertfuffzich Zahlende. Am meisten muß einem noch die Vorband EAT LESS BREAD leid tun, denn bei denen ist schlicht gar nichts los. Auch umgekehrt funktioniert der Ska nicht, die Musik der Vorgruppe kann aus dem bißchen Publikum gar nichts heraus holen. Als Mark Foggo die Bühne betritt stehen die Leute alle ganz hinten im Saal, da wo Bar und Merchandising eine gute Rückendeckung abgeben. 'Hello Ska people! There are not many Ska people here tonight, but you dont need many ska people for a very good ska party.' Immer noch ist Ska das absolute Lieblingswort von Mark Foggo und er benutzt es in jedem Satz. Sowohl die Musik der Band als auch die nicht enden wollende Energie des Sängers hätten mehr Publikum verdient, aber er hat recht: die Quantität ist nicht der entscheidende Faktor. So hat man auch mehr Platz zum tanzen und wer heute gekommen ist, der tanzt auch. Nachher werden sogar ordentlich Zugaben gefordert und irgendwie sehen dann doch alle zufrieden aus.
 
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»Ach was, früher hab ich Punkrock gemacht. Das war 1979 in Holland, ich war gerade erst nach Groningen gekommen und habe in Friesland in einer Segelschule gearbeitet, weil da die einzigen Engländer waren, die ich in der Gegend finden konnte. Und ich konnte ja damals kein Niederländisch. Weißt du, damals hatten wir eigentlich überhaupt gar kein Publikum.«

Die gute Laune ist aus Mark Foggo nicht heraus zu kriegen. Eher bekommt man den Dschungel aus dem Tiger. »Als ich mit Ska anfing, das war weil ich im Radio 'A Message to you Rudy' gehört habe. Ich fand den Punk damals zu limitert, ich glaube, dass ging damals vielen Bands so. Ska hat so eine Energie und auf einmal hatten wir auch Publikum.« Außerdem passt Skamusik auch besser zum englischen Humor von Mark.«
 
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Und wenn man sich bei Mark Foggo auf etwas verlassen kann, dann auf den Humor. »Wenn ich nicht Sänger geworden wäre, dann hätte ich vermutlich Comedy machen müssen. Das war eigentlich mein Traum, ich liebe alle diese englischen Comedyserien. Aber ich habe einen Weg gefunden, die Comedy auch bei der Musik auf der Bühne einzusetzen.« Auch die neue Platte 'You Shot Me' ist voll von dem Humor, bei dem sich mancher mit Grausen abwendet während sich andere auf dem Boden wälzen. Zum Beispiel die traurige Geschichte von 'Chuck No Luck', der auf der Strasse verhauen wird. Einfach so. Und tritt in Scheisse, na klar. Wird entführt und von einem LKW überfahren. Bitter. Und bekommt ein Klavier auf den Kopf. »Wenn Du mich fragst, auf was ich eher verzichten könnte, dann wäre das die Musik. Es wäre eine ziemlich knifflige Entscheidung, aber ich glaube nicht, dass ich auf den Humor verzichten kann. Niemals.« Er hat auch einmal probiert, eine Platte mit ernsthafter Musik aufzunehmen. »Aber das war unter Zwang, die Plattenfirma war 1985 der Ansicht, dass sich Ska überhaupt nicht mehr verkauft und wir sollten doch etwas anderes probieren. Herausgekommen ist eine Mischung aus Rock- und New-Wave-Musik, grauenhaft schlecht und wann immer ich irgendwo eine Kopie davon sehe, kaufe ich sie und esse sie auf. Ich hasse diese Platte. Danach habe ich die Zusammenarbeit mit Plattenfirmen aufgegeben und einfach mein eigenes Label 'Skanky Lil' aufgemacht.« Auch eine Lektion, die er aus seiner Punkrock-Jugend mitgenommen hat.
 
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»Ich denke, ich bin insgesamt kein allzu anspruchsvoller Mensch, im herkömmliche Sinne. Ich brauche nicht viel, um ein glückliches Leben zu führen, ich habe meine Musik, eine gut aussehende Freundin. Ich lebe inzwischen in Antwerpen und ich lebe einigermassen gut. Das heisst, ich komme damit über die Runden. Die meisten Musiker in der Band haben einen regulären Job oder verdienen Geld als Studiomusiker, als Sänger kann ich aber kaum Geld als Studiomusiker machen. Aber hey, ich brauche kein Haus und keinen Hund. Ich brauche nur meine Gigs!«

Das konnte man besonders gut beobachten, als Mark Foggo im Juli beim 'With Full Force'-Festival bei Leipzig auftrat. Ich war dahin gefahren, weil es die Chance bot, Iron Maiden, Slayer und Anthrax in einem Aufwasch zu sehen. Da ich kein Metaller bin hatte ich diese Bands noch nie gesehen. Und mittendrin, am Samstag nachmittag, wer steht da auf der Zeltbühne? Mark Foggo, die einzige Skaband zwischen tausenden Black, Dark, Death Metallern und einigen Punkern. Und was soll man sagen? Das Zelt hat getobt!
  
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»Wir waren vor den Misfits und nach einer Band namens Field of irgendwas. Die Band vor uns hat die Bühne schlicht zerlegt und ich dachte, okay was solls, wir gehen raus und machen, was wir immer machen. Wir haben sowieso keine andere Chance.« Herausgekommen ist dabei eine Sammlung der reinen Hits, von 'Ska Pig' über 'Weirdos' bis 'Ramona' und 'Car on a Train'. Das ist so etwas wie das Lexikon des Ska, der auf den englischen Two Tone folgte: schnell, kompromisslos, voller Humor und nicht enden wollende Tanzmusik ohne Rhyhtmuswechsel.

»Es ist schlicht. Ich glaube, das für uns typischste Lied ist 'Weirdos', sowohl vom Text als auch von der schnellen Musik drückt es alles aus, was Mark Foggo all die Jahre gemacht hat. Prinzipiell ist es Rock’n’Roll, aber mit mehr Tanz! Es ist nett, wenn Du sagst, dass wir uns nie wiederholt hätten über die Jahre.« Aber es stimmt. Viel Spaß damit.
 

Florian Heilmeyer

Artikel auch in: WAHRSCHAUER #51:
Wahrschauer Fanzine

    

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