Kapelle#3: Rummel

Beral: »Kapelle #3 ist eine sympathische, elfköpfige Ska-Combo aus Köln. Das Album 'Rummel' ist ihre zweite Veröffentlichung und allein optisch macht die CD schon einiges her. Ein farbenfrohes Digipack lächelt mich an und schafft somit die erste Lust zum Hören. Das Innenleben der Verpackung bietet dann zwar leider kein Booklet, aber dafür ein sehr freundliches Statement der Band.

Begeben wir uns nun auf den musikalischen Rummel, den Kapelle #3 für uns vorbereitet haben. Die CD beginnt mit dem Titelsong, welcher schön elegant ins Thema hereinswingt. Ein tanzbarer Two Tone Beat lädt zum gemütlichen Schwoof zwischen Autoscooter und Zuckerwattestand ein; das Ganze wird mit ein paar schönen Licks und Soli komplettiert.

Im Gegensatz zum Debütalbum 'Was ist schon ein Halbton unter Freuden' wirkt 'Rummel' von vorneherein fetter produziert und insgesamt vielfältiger. So ist der dritten Kapelle aus Cologne mit 'Ein Glück' zum Beispiel ein schöner reggaelastiger Song gelungen, der nebenbei textlich eine schöne Ansage an egozentrische Heulsusen ist.

Musikalisch bewegen sich Kapelle #3 auf den Spuren vieler traditioneller Ska-Bands und die Affinität zu blues- und swingähnlichen Beats lässt auf Vorbilder wie The Skatalites schließen. Die Geschwindigkeit der Songs ist durchgehend tanzbar und im mittleren Tempo gehalten. Man wird hier beim Mittanzen also nicht völlig außer Atem kommen, aber auch nicht stehenbleiben.

Das Fundament aus jazzigem Schlagzeugrhythmus, entspannten Bassläufen und einer ruhigen Rhythmusgitarre samt Keyboardunterstützung scheint unzerstörlich und rollt gemütlich durch das Album. Die Bläser spielen ihre meist mehrstimmigen Licks dazu und kreieren damit die Schnörkel, um das Grundkonzept zu verzieren. Das klingt vor allem in dem Lied 'Uns mal' sehr schön. Der instrumentale Sound ist zwar sehr schön, klingt aber an mancher Stelle doch sehr steril und eingängig. Ein Tupfer Innovation hätte an einigen Stellen noch etwas reißen können.

Die Gesangsstimme ist durchaus gut, wenn auch nicht extraordinär. In einigen Passagen klingt der Gesang sehr abgehackt und unflüssig, aber im Gros passt es dennoch gut zur Musik. Vielleicht wären Background Vocals hier und dort eine Option gewesen – dies ist leider nur bei 'When thr shit hits the fan' der Fall.

Textlich beweisen die Jungs Witz und gute Ideen, gute Laune und auch Gefühl – also quasi ein Rundumschlag – und verbreiten gute Laune. Die Lyrics sind auf deutsch und englisch, wobei beides sehr passend ist. Die englische Aussprache ist sehr anhörbar und weist keinerlei typisch deutsche Schnitzer auf, für die man sich vor anglophonen Hörern schämen müsste.

Eine wunderschöne Mischung aus Gesellschaftskritik, lustigen Ideen und der Liebe zum Brettspiel kann man in dem Lied 'Badstraße' hören. In diesen Text kann man bishin zur Bankenkrise sehr viel rein interpretieren, man kann sich aber auch einfach selber als alten Monopolyverlierer wiederentdecken – wie in meinem Fall.

'Rummel' von Kapelle#3 ist insgesamt ein gelungenes Album, das eine deutliche Verbesserung zum Debüt darstellt und gleichzeitig eine weitere positive Entwicklung erwarten lässt. Fans des traditionellen Ska und Freunden von Gruppen wie The Clerks empfehle ich die Scheibe an einem regnerischen Sonntagabend im Wohnzimmer oder beim abendlichen Autofahren zu hören; Frisch verliebten Paaren empfehle ich sie für ein gemütliches Abendessen mit Rotwein (optional auch Kölsch).

Ich gebe eine 2-3 als Endnote und hoffe sehr, dass es weitere Veröffentlichungen geben wird, die oben genannte Entwicklung weiterführen. Und jetzt werde ich mir gleich noch mein persönliches Lieblingslied der Platte 'Plotr' mehrere Male anhören.
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Tracklisting
1. Rummel
2. Ein Glück
3. M'fine
4. Mo To The Mo
5. Don't Touch Her
6. Uns Mal
7. Badstrasse
8. Sure
9. It's Not Like That
10. Turn Around
11. Through
12. Lied 1
13. Pjotr
14. When The Shit Hits The Fan
CD: BEX Records, 2011

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