Ken Guru & The Highjumpers - The Sound of...

Florian Heilmeyer: »Eigentlich muß man hier vor allem einmal mehr den Hut ziehen vor einer jungen Generation, die sich mit einer anmaßenden Selbstverständlichkeit alle guten Dinge aus der Geschichte der Musik (Ska, Reggae, Soul und Funk) nimmt, und aus diesen – als gebe es nichts einfacheres! – mit unverschämter Unverfrorenheit und Lässigkeit ihr ganz eigenes Ding zimmert. Die sieben Dresdner von Ken Guru sind das aktuellste Beispiel: Der Name bezieht sich auf die frühen Ska- und Reggae-Formationen Jamaikas, die Internetadresse dagegen ist englisch – damit sind schon zwei der wichtigsten Bezugspunkte für ihre Musik gesetzt: Early Reggae, Ska, Bluebeat und Two Tone. Gerade einmal um die zwanzig Jahre alt legen sie ein Debutalbum vor, das sich damit nicht zufrieden gibt: Soul und Funk räkeln sich lasziv durch die Stücke, die alle eine souveräne Mischung aus Lässigkeit und der notwendigen Rhythmushärte bieten. Lickende Gitarren und farzenden Bläsern. Die soulig-weichen Melodien darüber haben eine so verspielte Eingängigkeit, dass mein Ohr sofort fünf Stücke von dieser CD fest gespeichert hat.

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& The Highjumpers
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Wie machen die das?

Natürlich: wer so früh schon mit Doreen Shaffer, Aggrolites, Caroloregians, Rude Rich, Skatalites, Dr. Ring-Ding gespielt hat, der ist nicht frei von diesen Vorbildern. Das man daraus aber so lässig das eigene Ding machen kann, das ist überhaupt nicht selbstverständlich. Die Platte kickt erst einmal mit einem Kneipen-Ska los und man glaubt schon, wieder eine Skinhead-Reggae-Variante der eher langweiligen Art erleben zu müssen, aber falsch. 'Looking for a Girl' ist schon ein genial souliger Early Reggae: harter Rhythmus, weiche Melodien, ein Liebeslied mit der nötigen Härte. 'Postcards' ist etwas poppig, aber das war der Early Reggae immer schon ab und an und das Instrumental 'Ken You Feel It' ist dann dieser hinreissend eingängigen, langsam-schleppenden Offbeats mit Funk-Gitarre und einigen eingestreuselten Uu-Ha-Gesäusel der Band, dass es einen nur so fortreisst. Sicher, in der Mitte der Platte leistet man sich auch einen kurzen Durchhänger, aber spätestens mit 'The Champ' ist man wieder auf Kurs und 'Apeman' ist eine so geniale Mischung aus Two Tone und Jamaika Ska, aus experimentellen Specials und schnelleren Maytals, das man sofort auf ein Konzert der Jungs gehen möchte. Eher sind die Lieder noch zu kurz und man würde sich wünschen, dass die Jungs vielleicht noch mehr rausholen, einfach länger durchspielen und schauen, was aus diesen Liedern noch werden kann. Da ist in jedem noch mehr drin!

Diese Platte trägt ihren Titel 'The Sound of...' völlig zu recht, denn sie ist eine musikalisches Ausrufezeichen, dass nicht nur für den Sound von Ken Guru definiert, sondern auch zeigt, wie moderner Early Reggae klingen muss. So eine Musik ist heute nicht nur relevant, sondern essenziell
.«

Tracklisting
1 The Sound Of Ken Guru
2 Looking For A Girl
3 Postcards
4 Ken You Feel It
5 Manja
6 Pressure
7 Thank You
8 The Champ
9 Apeman
10 Born To Lose
11 Getting And Giving Away

CD 2008

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