Spy Kowlik - Spycology

Beral: »Spy Kowlik aus Trier haben mir ihr viertes Album 'Spycology' zum Rezensieren zukommen lassen.

Mein erster Eindruck war sofort sehr positiv und für das aufwendig bearbeitete Booklet mit schönem Faltsystem möchte ich dem Designer schon mal meinen persönlichen Dank aussprechen; auch wenn das Artwork eher nach Post-Rock oder Avantgarde-Jazz aussieht.

Das Septett leitet den Tonträger energiegeladen ein und animiert schnell zur Bewegung. Schneller, tanzbarer Ska trifft auf Punkrockparts und wird von einer guten Produktion getragen. Einige Licks, wie zum Beispiel in 'Beggin' for a beer', sind sicherlich für den traditionellen Ska-Hörer etwas zu experimentell, passen für meine Begriffe aber sehr gut ins Konzept. In genanntem Lied wird der Gesang teilweise durch Gitarrenläufe unterstützt, die man eher aus dem Hardcore kennt und im letzten Thema kommt ein ariengleicher Frauengesang als Support dazu.

Auch ruhigere Songs wie 'Rise' sind auf Spycology zu hören, jedoch bleiben die Pfälzer auch hier dem Ska-Punk treu und bringen verzerrte Gitarren zum Einsatz. Dieser Wechsel aus Offbeat-Tanzattacken und verzerrten Punkrockpassagen zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte CD, ohne Langeweile zu erwecken.

Als Musiker ist mir natürlich die Bewertung der Instrumentalisten besonders wichtig. Hier ist zunächst Sänger James zu nennen, der eine sehr sichere und gute Stimme hat, die er gut einzusetzen weiß, allerdings hätte sie etwas kräftiger produziert werde können. David, der Gitarrist, stellt unter Beweis, dass er sowohl den klassischen Offbeat, jazzige Rhythmen, punkige Beats als auch rock'n'roll-typische Soli beherrscht, und nichts davon wirkt fehl am Platze. Simon's Bass ist abwechslungsreich und jeweils gut auf Gitarre und Schlagzeug abgestimmt, genauso zeigt auch Drummer Wolfgang, dass er bei Weitem mehr als 3 Grundrhythmen gelernt hat; einfallsreiche Fills verzieren vor allem ruhige Stücke wie 'Blue Bird Reggae'. Die Bläserfraktion bestehend aus Christian (Trompete), Jan (Posaune) und Holger (Saxophon) gibt der Musik von Spy Kowlik letzt endlich den Schmackes, der das Ganze so gut ins Ohr gehen lässt. Die Bläserpassagen sind meist mehrstimmig und stets passend zum Grundgerüst der anderen Musiker. Zuletzt sollten noch die Backgroundvocals gelobt werden, die vor allem bei dem Lied 'This is my time' gute Laue erwecken und zum Mitsingen auffordern.

Es fällt mir recht schwer, Vergleiche zu finden, weil die Mischung aus Skapunk, Rockmusik und Reaggae nahezu einzigartig klingt. Hier und da erinnert mich Spy Kowliks Musik ein wenig an Skaos oder No Sports, aber vor allem der Rockeinschlag unterscheidet sie von diesen Kapellen.

Genauso schwer machen die Jungs es mir bei der Suche nach Mäkeln. Bis auf ein Paar Schönheitsfehler in der Produktion ist Spycology von Spy Kowlik von der Hülle bis zum letzten Akkord ein Hochglanzalbum, welches Aufmerksamkeit verdient hat – es wird alles geboten, was ein gutes Skapunk Album braucht und vor allem ist es auch für Hörer des ruhigeren Ska gut zugänglich. Vor allem die Experimentierfreudigkeit ist ein großer Bounspunkt.

Ich gebe sehr gerne eine Schulnote 1- und freue mich über jeden, der dieses Album genauso abfeiert wie ich. Mein persönlicher Favorit auf der CD ist 'Goodbye Catalana' - ein Lied mit Hitpotenzial.«

Tracklisting
1. No Bucks
2. Beggin For A Beer
3. Rise
4. Spycology
5. Blue Bird Reggae
6. This Is My Time
7. Soap 17
8. Ponderosa
9. Mine For All The Time
10. Good Bye Catalana
CD: Spy Kowlik, 2012

Ab jetzt im Handel, z.B. iTunes Store.