Unjerks: Offbeat Radio

Beral: »'Jerk' [engl.] heißt zu deutsch etwa Trottel, Idiot oder auch Penner, das Verb 'to jerk' heißt neben ruckeln oder stoßen auch onanieren; unter 'Unjerk' findet mein Wörterbuch keinen Eintrag.

Dennoch gibt es sechs Jungs aus Hamburg, die sich genau so nennen; The Unjerks – und sie haben Ende des letzten Jahres ihren zweiten Tonträger namens 'Offbeat Radio' auf den Markt gebracht.

Die Scheibe beginnt mit einer der schönsten Eröffnungszeilen, die ich bis Dato hören durfte: 'My soul is burned and Berndt is my name'. Ab da war mir schon klar, dass ich mit Spaß zu rechnen habe und das Lied 'Wolfgang' geht auch genauso weiter; schneller Offbeat-Ska, gezielte Bläsereinsätze und eine Stimme, die geschult ist, das Ganze noch voranzutreiben – eine astreine Tanznummer.

Mit Ausnahme von 'Indiekiller' werden hier ausschließlich englische Texte vorgebracht, die allesamt sympathisch und humorvoll sind. Dieses Lied ist übrigens eine – meiner Ansicht nach – lang ersehnte Kampfansage an schiefgescheitelte Halbstarke mit engen Hosen und Streifenshirts aus H & M. Ich kann der Aussage der Unjerks nur zustimmen und bekräftigend hinzufügen: Schneidet euch die Haare und lernt tanzen!

Direkt darauf folgt ein Klischee-Lied mit Namen 'Summertime', aber scheinbar braucht jede deutsche Ska-Kapelle mindestens einen Sommersong. Das heißt aber nicht, dass dieser Song misslungen ist; man kann ihn gut zum Ausklang einer Feier anmachen, aber ich persönlich brauche nicht noch einen weiteren Sommer-Ska-Hit.

Dass sie auch zeitgenössische politisch-wirtschaftliche Themen anschneiden können, zeigen The Unjerks mit 'What happened to Kronos?', allerdings verzichten sie auch hier nicht auf ihre typisch hamburgerische humoristische Art. Die ersten Takte des Liedes klingen erst ein wenig nach Gypsy Punk, das erledigt sich aber spätestens ab Einsatz des Gesangs. Mit den treibenden Gitarrensounds und dem mitsingbaren Refrain ist dies ein schönes Ska-Punk Stück.

Insgesamt kann man sagen, dass die Band sich berechtigterweise 'The Unjerks' nennt, weil sie weder Penner, Idioten, noch Wichser zu sein scheinen, sondern vielmehr ein sympathischer Haufen, dem man anhört, dass sie Spaß an Musik haben. Die musikalischen Leistungen sind keine Neuerfindung des Ska-Rades, aber man hört, dass alle sechs Mitglieder erfahren und sicher sind und Ahnung von dem haben, was sie machen. Genauso ist auch die Produktion sehr gut und schnörkellos.

Der Name 'Offbeat Radio' ist Programm für das Album, auf dem sich Offbeat-Angriffe mit Punkrock / Rock'n'Roll Einwürfen abwechseln und gelegentlich Platz für reggaelastige Parts lassen.

Vom ersten bis zum letzten Akkord ein schönes, gelungenes Album, dass ich gerne im Auto mit zum nächsten Festival mitnehme. Spaß, Tanz und Lacher sind garantiert und für die Fans des Horrorfilms ist mit „When three are one“ ein Hommage and The Human Centipede gegeben.

Ich gebe die Schulnote 2 und hoffe auf ein baldiges Wiederhören.
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CD: Unjerks, 2011