Wood in di Fire: Noon on the Moon
Florian Heilmeyer: »'Reggae outta Uckermark' schreit mir das Pressezettelchen ins Gesicht und wer's nicht weiß: die Uckermark ist ein flacher, tragisch eintöniger Landstrich in der Gegend um Berlin. Ein Landkreis, der damit hausieren gehen muß, dass er Deutschlands größter ist (www.uckermark.de), denn sonst hat er nichts zu bieten. Wollte man das Gegenteil von Jamaika auf der Welt suchen, es wäre die Uckermark.

Nun kommt es ja, wie jeder weiß, auch nicht auf die Größe, sondern auf die Technik an. Das beweisen uns die Berliner Jungs von Wood in di Fire auf ihrer dritten Scheibe seit 2003, die sie wieder in ihrer Studioscheune in Neu-Meichow aufgenommen haben und gleich beim ersten Lied ist man schon wieder da, wo sie uns auf 'Off the Hook' vom Haken gelassen haben. Dicker Bass wabert, Steel Drum, ein klein wenig Hall, aber kein Dub. Das diese Band jeden Monat im Berliner Schokoladen spielt, kann man ihrer Musik anhören. Ein wenig, als würde man einer Jam-Session beiwohnen, manchmal finden sich die Instrumente eher zufällig zu einem gemeinsamen Stück zusammen – Jamaican Jazz nennen sie es.
Sie haben diesmal allerdings einen deutlich höheren Anteil an Liedern mit Stimme, was wohl an den beiden grandiosen (Dauer-)Gästen liegt: Anne-Kristin Beelitz’ Stimme ist erstaunlich schwer und schleppend, beinahe schwarz. Schön beim sentimentalen 'Reasons to Stay', das schon beinahe in Richtung Morecheeba entflieht. Noch besser bei 'Hey Stranger', einem Early Reggae bei dem ich mich kaum gewundert hätte, würde hier 'Marcia Griffiths' draufstehen. Aber diese Band covert nicht mehr, sie macht höchstens versions, wie es sich gehört.

Aber – wie schon bei 'Off the Hook' – räumt die Hits der Platte mal wieder Longfingah mit entspanntem Raggamuffin ab: 'Try On' und 'Illusion' sind schlicht brilliant, dabei mag ich diese Ragga-Geschichten normalerweise gar nicht. Auf dieser Platte macht es aber die Mischung – wäre es nur der Jazz, nur der sauber produzierte Jamaica Ska, nur der Raggamuffin, es wäre vielleicht nach einigen Liedern langweilig. So ist die Platte schlicht grandios.«

Tracklisting
1. Someday They'll Know
2. Reasons To Stay
3. Try On
4. Laos Para Ti
5. Sometimes
6. Blue Abou
7. Let My People Know
8. A Letter To Ernest
9. Hey Stranger
10. Noon On The Moon
11. Gojko Mitic
12. Illusion
13. Someday They'll Dub
CD: Moanin Records, 2008

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