The Aggrolites: Reggae Hit L.A.

Perry Slalom: »Nun ist es also draußen, das nächste Album der Band, die den Dinosaurier 'Skinhead Reggae' aus der Versenkung geholt hat. Natürlich bieten die Band und auch das Album bereits vor Erscheinen genügend Stoff für unnötige Diskussionen: Dürfen die mit Tim Armstrong (A Poet’s Life) so weich gespülte Musik machen? Dürfen die so schnell so viele Alben machen oder leidet die musikalische Qualität darunter? Und vor allem: dürfen die ein Album herausbringen, auf dem andere Songs als die des ersten Albums drauf sind? Mit anderen Worten: die Diskussionen um dieses Album zeigen mal wieder schön, in welchem Dilemma eine Subkultur schnell stecken kann. Denn natürlich möchte man solchen Giganten gerne den Vorwurf des kommerziellen Ausverkaufs machen, wenn sie sich weiterentwickeln. Allein: Er zieht nicht.


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Aggrolites-Website

Denn 'Reggae Hits L.A.' enthält nicht eine Achtelnote kommerzieller Anbiederei. Wer auf Songs wie 'Free Time' wegen ihrer melodischen Qualität nicht klarkommt, oder sich vom inhaltslosen letzten Tune verarscht vorkommt, hat einfach nichts vom Hype um die Aggrolites verstanden.

Denn letztendlich erklärt sich 'Reggae Hits L.A.' mal wieder ganz von alleine. 15 Songs sind mal wieder im leicht angeschickerten Schädel irgendwie improvisiert, inspiriert oder konzentriert eingespielt worden, 15 mal haben die Jungs mal wieder ihre Mischung aus Groove, Soul und Schüssen in die Beine eingespielt und ganz bestimmt nicht daran gedacht, was wohl Dritte zu den einzelnen Stücken sagen. Und einmal haben sie mit trockenem Humor gezeigt (Track 16), woraus ihre Musik im Wesentlichen besteht: aus purem Rhythmus.

Und endlich lösen sich die Aggrolites von dem Schema, das ihnen an anderer Stelle als 'Klangtapete' Kritik einbrachte, 'Reggae Hits L.A.' ist mit Abstand das abwechslungsreichste Album der Kalifornier und stellt eine ganz andere Qualität als die beiden Vorgänger dar. Jetzt geht’s mit den Aggrolites erst so richtig los.



Florian Heilmeyer: »Endlich mehr Dirty Reggae aus Los Angeles. Auch die dritte Scheibe der Aggrolites bringt uns den inzwischen bewährten Stilmix aus Funk, Soul, Reggae und Veryoldskoolska. Eine herrlich verschwitzte Platte. Dicke Orgeln, dicke Rhythmen, snaft pringelnde Gitarren und diese unglaubliche Soulstimme, sanft und rau gleichzeitig, von Jesse Wagner. 'Herb' trifft diese Musik vielleicht am Besten, auch wegen der schönen deutsch-englischen Doppeldeutigkeit. Kiffermusik wäre zu abfällig, denn das was die Aggrolites hier beinahe schon aus dem Ärmel schütteln wird für viele Bands dieses Planeten ewig unerreichbar bleiben. Das Niveau der Platte ist erschütternd hoch und immer wenn man schon fast erschöpft zurücksinkt und denkt, dass das nächste Lied einfach nicht mehr besser sein kann, dann passiert genau das: das nächste Lied ist noch besser.

Dabei schaffen sie die äußerst schwierige Gratwanderung, auf sehr alte Musik zurück zu greifen, ohne sie zu kopieren oder sich selbst zu sehr zu wiederholen. Man muß an so viele Heroen vergangener Tage denken: Jackie Mittoo, Slim Smith, Prince Buster, Jackie Opel, Derrick Morgan, sicher auch James Brown, Ray Charles, ach nehmt irgendwen. Man muß an all diese großen Vorreiter denken, aber es ist nie wirklich kopiert. Aggro Reggae ist sehr eigenständige Musik, stur beinahe, und vor allem eines: Aggro Reggae macht extrem schnell abhängig.

Wir gestehen es. Und wir gestehen es gerne: die Aggrolites sind die Könige und wir wälzen uns im Staub. Muß ich dazu noch erwähnen, dass die Legende erzählt, dieses Album wäre in drei Tage aufgenommen? Unglaublich, aber den Seinen gibt es der Herr eben im Schlaf. Und während die unverbesserlich gläubigen Amerikaner sowieso schon dauernd dem Herrgott danken, können wir uns ja einfach bei den Aggrolites bedanken. Für diese Platte und für die beiden davor.«



Dr. Maluma: »In einigen Stücken ist der Sound sanfter, ja fast schon schmalzig ausgefallen, so z.B. in 'Let's Pack Your Backs'. Das entspricht nicht dem, was man von den bisherigen Aggrolites gewohnt ist. Das macht das Ganze andererseits natürlich abwechslungsreicher.

Bei 'Free Time' meine ich den Sänger von Hepcat zu hören. Was ja naheliegend wäre, wenn der Sound wie beide Bands aus L.A. kommen. Bei 'Lucky Streak' dachte ich dann: Das sind ja die Inciters.; vor allem, da auch einige Damen den souligen Gesang unterstützen. (Weiß jemand mehr dazu?)

Aber auch jede Menge Stücke im rauhen, ungehobelten Dirty Reggae-Stil werden geboten, so dass die Liebhaber der alten Aggrolites in jedem Fall auch auf ihre Kosten kommen.

Ach ja: Track 16 hätten sie sich sparen können. Der ist Verarschung.«


Tracklisting
1. Work it
2. Faster bullet
3. You got 5
4. Reconcile
5. Reggae Hit L.A.
6. Let's pack our bags
7. Left red
8. Free time
9. Licky streak
10. Rhythm & light
11. Well runs dry
12. Hip to it
13. Fire girl
14. Baldhead rooster
15. We came to score
CD: Hellcat, 2007

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