The Aggrolites: The Aggrolites
Diese amerikanische Band vermischt mühelos den authentischen 60er Jahre Jamaika-Sound mit ihrer eigenen Version voll von rauher Intensität und Energie: Man nehme etwas Lee Perry, WAR und dazu Toots und erhält eine grandiose, einzigartige Mischung, genannt »Dirty Reggae«. (Info: Grover Records)

Perry Slalom: »Dass man ohne jegliche Anbiederung an die eigene Szene immer noch zu ihrer fettesten Nummer werden kann, beweisen uns im Ska und Reggae eigentlich immer wieder die Amis. Rekrutiert sich schon hierzulande der durchschnittliche Konzertbesucher / Plattenkäufer / Musiker schon lange nicht mehr aus dem Kreise derjenigen, denen man es vor allem an der nicht vorhandenen Frisur ansehen kann, zeigt sich dies gerade in den USA. Von dort habe ich schon lange keine Glatze mehr hier gesehen.

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Aggrolites-Website

Dementsprechend findet sich auch weder im Habitus noch in den Songtexten der Aggrolites auch nur der geringste Hinweis auf das Subgenre, dem ihre Musik entstammt: dem sog. Skinhead-Reggae, der Ende der Sechziger Jahre, aus Jamaica kommend, den Soundtrack der kurzgeschorenen Generation darstellte. Und trotzdem oder gerade deswegen sind The Aggrolites die unumstrittene Größe der internationalen Skinheadbewegung, ihre Konzerte Melting Pot der urwüchsigsten aller Subkulturen.

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Dirty Reggae', der Titel ihres ersten Albums, gibt den Sound der Aggros dabei selbstbeschreibend wieder: rau, erdig, dreckig, treibend. Jesse Wagner hat ein dermaßen dreckiges Organ, dass er adäquater Frontmann einer irischen Raufkapelle, einer Methodistenkapelle aus Memphis oder einer Hardcoreband aus New York City sein könnte. Stattdessen ist er Ikone geworden.

Stilistisch haben sich die Aggrolites kaum weiterentwickelt (wie auch, bei einer retrospektiven Musik), stattdessen haben sie ihren Sound verfeinert. Die Rhythmus-Sektion umd Scott Abels (Hepcat, Lars Frederiksen and the Bastards) und J Bonner treibt und pulsiert, pluckert und plochert, wie es derzeit keine andere Skinhead-Reggae-Band zeigt. Bläser sucht man wieder vergebens, allerdings auch Abwechslung und melodischen Spannungsbogen. Live als Tanzmusik zeigt sich die Stärke der Kalifornier wohl am Besten. Vor den heimischen Brüllwürfeln verkommen 19 Stücke relativ engmaschig gestrickten Reggaesounds leichte Verschleißerscheinungen und lassen einen irgendwie aufgeregt zurück.

Und da sind wir dann vielleicht an dem Punkt angelangt, an dem eine Generation kurzgeschorener Jugendlicher dereinst anfing, statt der Tanzschritte auch den Arschtritten zu frönen. Denn die Aggrolites lassen einen auf gar keinen Fall kalt. Stellt man sich ihre Musik (und das gemeine Organ von Jesse Wagner) vor fast vierzig Jahren vor, kann man erahnen, was solch ein Sound für eine emotionelle Revolution für die damals orientierungslosen Jungglatzen gewesen sein mag. Schade, dass Bush kein weiteres Mal mehr antreten kann, ich hätte sie gern in Anti-Bush-Konzerten gesehen. Überzeugend sind sie ja.«

Tracklisting
1.Funky fire
2.Mr. Misery
3.Time to get tough
4.Thunder fist
5.Countryman fiddle
6.Work to do
7.Death at ten paces
8.Someday
9.The volcano
10.Heavier than lead
11.Sound of Bombshell
12.Fury now
13.5 deadley venoms
14.Grave digger
15.Prisoner song
16.Love isn't love
17.Sound by the pound
18.Lightning & thunder
19.Aggro

CD: Hellcat, 2006

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