Anger Management League: Why You Bad Soh?

Perry Slalom: »Münchens Skaszene, so wird mittlerweile gerne kolportiert, soll ja eher ein Gerücht als vital sein. Allerorten in Foren, beim seltenen Treff mit bajuwarischen Skasters etc. hört man die ewig gleiche Klage, dass in München in Sachen Ska nichts los sei.

Es braucht dabei keine harte Recherche, um festzustellen, dass wir es hier aber mal wieder nur mit dem üblichen Jammern auf hohem Niveau zu tun haben. Frag nach bei Dr. Deadlock. Gut, Bluekilla, denen dieser ewigjunge Springinsfeld vorsteht, lassen auch selten genug von sich hören, an dieser Stelle kommen wir erstmal nicht weiter.

Anger Management League, kurz AML, treten da glücklicherweise den Gegenbeweis an. Für die AML hat die Totlocke mal ein bißchen an den Münchner Käfigstäben gerüttelt und dann doch Topmusiker gefunden, so unter anderem zwei Jungs von den Steamy Dumplings, nen Kollegen von Bluekilla und mit Tschinge und Dominik Beyer, mit denen er das Projekt 'AML' aufzieht.


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Gut, 'Projektarbeit' mag jetzt für viele immer noch kein besonders gutes Beispiel für eine lebendige Skaszene sein. Wer so empfindet, mag aber an dieser Stelle mal den Gegenbeweis antreten und mir drei Langspieler von deutschen Bands aus diesem Jahr zeigen, die besser gefallen als 'Why You Bad Soh?'.

Die AML zocken nämlich auf einem verdammt hohen Niveau. Gemäßigtes bis zurückhaltendes Tempo dominiert die Musik auf 'Why You Bad Soh?', von Anger und Bad ist da nichts zu spüren. Dafür zeigt man sich hervorragend eingespielt und arschfett groovend. Mit einem Rockabilly-Kontrabassisten an Bord ist es kein Wunder, dass sich mit 'Be Bop A Lula' ausgerechnet ein Rock'n'Roll-Cover als Perle des Albums zeigt, aber auch Stücke wie 'The Crooked Beat' oder das jazzige 'Cold Feet', das nicht nur des Shouters wegen an Tokyo Ska Paradise Orchestra erinnert, haben Dancefloor-Potential.

Die Anger Management League zeigt uns mit 'Why You bad Soh?' jedenfalls, dass deutscher Ska mehr kann als nur Uffta Uffta und plumpe Anbiederei. Sag mal, Dr. Deadlock, warum bringst Du der AML nicht einfach ein paar Bluekilla-Stücke bei und kommst mal auf Besuch nach NRW?«



Florian Heilmeyer: »Dr. Deadlock, seines Zeichens eigentlich Sänger des Münchner Ska-Mythos Bluekilla, war schon immer bekannt für seine Lust, auch außerhalb der oft zu engen Genre-Grenzen ambitioniert zu sein. So bastelte er sich nun mit der Anger Managment League den lange gehegten Wunsch, eine Band mit Musikern aus anderen Bereichen zusammen, deren Mission vor allem das schamlose Mischen von Musikstilen ist: Prince Flo (Gesang, Gitarre) und Andor (Schlagwerk) von den Steamy Dumplings sorgen für einen ordentlichen Anteil Punkrock, Tschinge bringt einen Kontrabass dazu, der den Spagat zwischen Jazz und Rockabilly erstaunlich gut bewerkstelligt. Das Saxophon von 'Mad Ouse' kann sowieso von Jazz über Soul bis Ska offensichtlich sowieso alles und Dominik Beyer, Studiomusiker und ansonsten bei der Band 'Jazzophrenic' der Mann an den Tasten weiß ein besonders helles und klares Piano beizusteuern.

Für den ersten Track 'No One Beats the AML' holt man sich dann allerdings noch Trompete und Posaune dazu um mit einem feinen instrumentalen Ska-Stomp einzuläuten. Danach wird aber fröhlich gemischt, Rockabilly, Rock’n’Roll, Punk, viel Jazz und Soul. Und wirklich ist diese Platte immer am Besten, wenn sie die Stile mischt, bei 'Be Bop A Lula' und bei 'Cold Feet' etwa, aber zentral steht eine recht jazzige, freie Interpretation von Ska und Reggae, 'Crooked Beat' ist ein wunderbares Ska-Stück geworden.

Nein, die AML ist kein Symptom für das langsame Verschwinden von Bluekilla. Einfach nur ein gelungenes und musikalisch vielfältiges Nebenprojekt einiger sehr guter Musiker.«

Tracklisting
1. No one beats the AML
2. Be bop a lula
3. Don't get lippy with me
4. After bad come worse
5. Cold feet
6. Moon elevator
7. Bad soh
8. The crooked beat
9. After dub come double
CD: Soulfire / RoughTrade, 2007

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