Babylove & the van Dangos - The money & the time

Florian Heilmeyer: »Kennt ihr das? Es gibt so Platten, die kommen einem beim allerersten Hören vor wie alte Bekannte. Als würden einem die Lieder schon aus frühester Kindheit bekannt sein, oder als würden sie aus einem früheren Leben herüber wehen. Das hier ist so eine Platte. Einmal angehört sind die Lieder schon tief in die Seele eingeschrieben – kein Wunder, dass es 'Soul' heißt, und diese Dänen hier wissen wirklich, wie man Soul mit Ska untrennbar verbindet und dann mit Melodien des Pop und der Schnotzigkeit des Mod würzt.

Die Platte ist grandios. Auf älteren Scheiben fand ich immer, dass die Qualität der Lieder viel zu unterschiedlich ist. Da folgten den ein, zwei Hits immer längere Durststrecken. Hier aber läuft die Platte wie eine gute Choreographie ab und es ist schwer zu sagen, welche Lieder besser als andere sind.

Eher ist die ganze Platte ein Lied mit mehreren untrennbaren Abschnitten. Da passiert man Mitgröhler wie 'Taxman Ska' und Soulperlen wie 'These Streets', aber auch fast schon kitschige Lieder wie 'Amy', bei denen auch mal das Keyboard auf 'Glöckchen' geschaltet wird. Ui, grenzwertig, vor allem mit der schönen, aber sehr weichen Stimme von Daniel Broman. Aber direkt danach kommt ja mit 'Still Out There' schon wieder ein cool-reduzierte Offbeat-Feinheit mit licki-licki-Gitarren und politischem Text.

Vieles mag einem zu soulig weich erscheinen, darauf muss man sich hier einlassen. Aber im Prinzip ist hier für jeden was dabei. Wenn ihr also in einer Beziehung steckt, wo der Kerl Early Reggae, The Jam, und Northern Soul geil findet, sie aber mehr auf Amy Winehouse, DoreenShaffer oder alte Motown-Sachen steht, dann habt ihr jetzt eine Scheibe, die beiden gefällt. Herrlich. Prost.

P.S.:
Nee, vielleicht hab ich doch ein Lieblingslied: 'More of a Blessing"' ist schon was besonders Feines. Jetzt ist aber gut. Hört lieber mehr Musik, also so lange Rezensionen zu lesen.«



The Skanking Cats: »Ich breche hier zum erstenmal mit meinen Prinzipien: ich bespreche eine CD ohne offiziellen Auftrag. Und verteile zum Schluß auch noch lauter Punkte. Aber dafür ist es eine ganz Besondere. Und zwar der brandaktuelle Silberling meiner Lieblingsdänen Babylove & The Van Dangos, mit dem Titel 'The Money & The Time'.

Auf dieses Album war ich mehr als gespannt, nicht nur weil für mich diese Band in den Top 10 der internationalen Ska-Liga mitspielt, sondern auch weil mir Kristian während eines Gesprächs auf einem Konzert angekündigt bzw. gedroht hat, dass dieses Album ihren Ska revolutionieren wird. Davon ist hier allerdings (zum Glück?!) nicht viel zu merken. Im Gegenteil, den Babylove-Fan erwartet hier ein weiteres Schmuckstück dieser überaus sympathischen Band aus dem hohen Norden, welches ich allerdings eher in der Tradition der Debüt-CD 'Run Run Rudie' sehe, da der Nachfolger 'Lovers Choice' dagegen doch etwas abfällt. Bei einigen Liedern auf der 'The Money & The Time' haben sie zu meiner Freude den Geschwindigkeitsregler wieder etwas aufgedreht. Oder um es mal mit den Worten meiner Freundin zu sagen: (die meisten Lieder sind) schön schmissig. Aber auch die etwas langsameren Lieder wissen zu gefallen, wie z. B. 'Beers In Heaven' oder auch 'Amy'. Es kann aber auch sein, dass Kristian mich ganz einfach nur verarscht hat. Das schelmische Grinsen in seinem Gesicht hätte mich stutzig machen sollen. Na ja und egal, diese Frage wird wohl für immer ungeklärt bleiben – oder bis zum nächsten Konzert warten müssen.

Alle 12 Lieder stammen aus der Feder von Sänger Daniel Broman. Was ich allerdings schade finde, ist, dass traditionell die Texte nicht im Booklet abgedruckt sind. Dafür nennt Daniel wieder die Beweggründe für die Texte der Lieder, was auch was für sich hat und nicht bei vielen Bands vorkommt.

Mit 'Friday Night, Saturday Night' spricht mir Daniel aus der Seele. Ska ist weitaus mehr als nur Partymusik und der Soundtrack für´s Wochenende, sondern eher - auch wenn es abgedroschen klingt - eine Lebenseinstellung. Der fleißige Babylove-Konzertgänger wird das ein oder andere Lied bereits kennen, so z. B. 'Still Out There' in dem es darum geht, dass die Nazi-Skins der 80er-Jahre nun Anzüge tragen und mittlerweile in der Politik mit mischen, oder auch 'I Want You Here' (oder war es 'Song Of Labour'? Ich bin mir gerade nicht ganz sicher), welches sie anläßlich ihrer gemeinsamen November-Tour 2009 mit Chris Murray gespielt haben. Außerdem wurde das bereits erwähnte 'Amy' – welches von Mrs. Winehouse handelt - vor dem offiziellen CD-Veröffentlichungstermin zum Warmhören bei MySpace hochgeladen. Die Kreativität dieser Band scheint (zum Glück) kein Ende zu finden.

Den Dänen ist mit diesem Album – mal wieder – ein ganz großer Wurf gelungen. Für einzelne Lieder kann ich explizit keine Empfehlung aussprechen, da ich wirklich alle toll finde! Sogar "Song Of Labour" und das obwohl es ziemlich ruhig ist und ich doch etwas schneller bevorzuge. Ich kann es wirklich jedem empfehlen der sich auch nur ansatzweise für Ska interessiert. Ich gebe 17 von 10 möglichen Punkten, mal abgesehen von den nicht vorhandenen Texten, aber das machen sie durch das schicke und elegante Digi-Pak wieder wett. Das ist Ska wie ich ihn liebe und ich freue mich riesig auf das nächste Konzert.«

Tracks:
1. I want you here
2. Taxman ska
3. Friday night, saturday night
4. Amy
5. Still out there
6. Song of labour
7. These streets
8. The money & the time
9. More of a blessing
10. Sampa
11. Get a gun
12. Beers in heaven
Auch auf Vinyl erschienen.

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