Big Banders: Rough Sea
Lolli Loll: »Die Bigbanders aus Hamburg/Kiel gibt es nun mittlerweile seit 8 Jahren. Die Besetzung hat sich bei 8 Leuten eingependelt. Es gibt Gesang, übliche Rhythmusbesetzung (inkl. zweiter Gitarre) und Gebläse mit Posaune, Tenorsax und Trompete, wobei der Trompetenmann sich auch noch mit der Orgel beschäftigt.

1999 gab's, ein Jahr nach der Gründung, die erste Demo-CD, die zwar mit 12 Tracks gut bestückt war, jedoch (demomässig halt) an Soundqualität zu wünschen übrig lies. 2001 kam das erste Studioalbum (leider funktioniert die Hörprobe von der HP zur Zeit nicht).
Wir schreiben mittlerweile 2006 und seit Dezember letzten Jahres ist dann auch das aktuelle Album 'Rough Sea' da, welches auf eigenem Label erschien und (selbstproduziert!) einen ordentlichen Sound abliefert.

Rough Sea, Band aus Hamburg, Totenkopf, Piratenzeichen und drei Typen an der Kaimauer auf dem Cover und das verspricht Seefahrerflair. Leider weit gefehlt. Außer dem Intro des ersten Songs kann ich nichts dergleichen hören. Schade eigentlich. Wäre doch ein schönes Konzept gewesen.

Im mir vorliegenden Bandinfo/CD-Flyer steht 'die Musikrichtung ist eine Mischung aus Ska- und Jazzelementen' mit Punk und Punk-Ska mit Jazzelementen trifft es wohl eher. Wobei die meisten jazzigen Parts die Soli und hier und da ein walking Bass sind.

Textlich geht es um persönliche Problemchen/Begebenheiten und teilweise um politische Ansichten. Wobei ich sagen muss, dass ein Song über das T-Shirt-ausziehen während eines Gigs schon ne ziemlich geile Idee ist (Wer sich das Radiointerview auf Radio69 angehört hat weiß, wie es zu dem Song kam. Es gibt auch 'nen Downloadlink auf deren Seite).

Hmmm, ja, so wirklich haut mich das Album nicht vom Hocker. Fairerweise muss ich dazu sagen, dass Ska-Punk nicht so ganz mein Bereich ist. Mir ist es zu punkig, vor allem, wenn man bedenkt, was im o.g. Band-Flyer steht.

Es gibt ein paar Perlen auf dem Album. Aber die werden dann wieder durch andere Songs oder durch bestimmte Parts im Song ein wenig revidiert. Beispiel: 'The Owl'. Ein Schöner Rockabilly/Swing-Song mit einem Reggae-'nahen' Part. Der Text ist super und die Bläser schmissig wie sonst nirgends. Der nächste Song 'Natural Nude' ist dann 08/15 Ska-Punk mit wenig einfallsreichen Bläsereinsätzen und der Sänger zeigt hier deutlich, dass er Schwierigkeiten mit dem 'th' hat. Aber die Textidee wiederum ist geil (T-Shirt-ausziehen)!
Dann kommt ein Instrumental (Speechless) mit einem cool groovenden Bass(, der bei den anderen Songs ruhig mal ein wenig mehr zaubern könnte. Ich habe so das Gefühl, den Bassmann stellt man auf 'on' und dann zockt der seine Läufe und das wars… zeig mal was, Kollege!). Zwei Themen werden geboten, was für ein reines Instrumental wohl ein bisschen wenig wäre, aber die Soli und sowohl Gitarre (mit schönen Licks) als auch Orgel (im Orgel- und später im Klaviermodus) sorgen dafür, dass der Song zu einem der Highlights des Albums wird.

Wenig später wird bei 'Hangover' ein Punk gebolzt, was das Zeug hält und die Bläser 'verkümmern' mehr oder weniger zu 'Teppichlegern'.

Ich denke was mir fehlt ist der gemeinsame Nenner der Zusammenstellung. Ich meine, die Big Banders können grooven, sie können bolzen, aber irgendwie hat das Album zu viele Extreme. Es sind sehr gute Ideen dabei, aber z.B. die Bläser sind mir manches Mal zu sehr darauf bedacht, die Punkparts auf doof zu pushen, obwohl sie eigentlich auf dem Album beweisen, dass sie sehr viel kreativer sein können. Also Leute: man hört, dass das noch nicht alles war, was ihr könnt! Von den bisherigen Aufnahmen bis zum jetzigen Album ist ein Riesensprung, da wurde viel gearbeitet, aber da geht noch mehr!«

Tracklisting
1. Spirit & Agitation
2. Make Your Choice
3. The Owl
4. Natural Nude
5. Speechless
6. 666 
7. Haven't you heard
8. Hang Over
9. Drop off your top
10. Oirythmie

CD: B&P Records, 2005

Diesen Tonträger direkt bei den Big Banders bestellen.

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