The Busters - Double Penetration

Knarösto JJ Pöpel: »Bevor ich mich mit 'Double penetration', dem neuen Album der Busters, auseinandersetze, erachte ich es für sinnvoll, eine kleine Rückschau auf die letzten Werke der Wieslocher zu halten. Beginnen wir 2001. '360°' stellte der Welt erstmals mit Richard Tabor den Nachfolger Klaus Hubers vor. Das Album an sich war sehr Reggae- und (selbst für Busters-Verhältnisse) Pop-lastig und hob sich von den vorangegangenen Alben ab. Sein Nachfolger, die im Januar 2004 erschienene 'Revolution Rock' zog den Schritt weiter und die Busters widmeten sich erstmals ausschließlich traditionellen Klängen, um dann 2005 mit dem neuem Zweitsänger Ron Marsman ein Album namens 'Evolution Pop' vorzulegen, das wegen seiner unglaublichen Vielfalt und Rock-Lastigkeit heiß diskutiert wurde. Zwei Jahre später legen die Busters nach. Um die Kette fortzuführen, müsste das Album wieder ein komplett neues Busters-Gewand tragen, doch weit gefehlt. 'Double penetration' ist seit langem das erste Album, das wieder richtig typisch nach Busters klingt – und fällt genau deswegen wieder aus der Reihe.

So viel zur Diskographie. Wenden wir uns dem Album an sich zu. Die doppelte Penetration findet hier nicht unter der Gürtellinie, sondern im Kopfbereich statt: es gibt sowohl auf die Ohren, als auch auf die Augen. Konkret soll das heißen, neben der neuen Studio-CD enthält die Hülle eine Unplugged-DVD, die die Busters dabei zeigt, wie sie ohne Hilfe diverser Musiksender einige ihrer Hits und neue Songs in vollkommen neuen musikalischen Gewändern präsentieren. 'Double penetration' führt die Busters also doch wieder in neue Gewässer. Die dargebotenen Songs strotzen nur so von musikalischer Kreativität und die zwölf Vollblutmusiker wechseln dabei auch immer wieder ihre Instrumente, ein Instrumentetausch, wie im ebenfalls enthaltenen Video zur Single 'The wrong song' humoristisch dargestellt, scheint also nicht einmal allzu unmöglich zu sein. Die Busters spielen sich durch alle möglichen Richtungen. 'Sharp dressed girl' etwa kommt im Swing-Style daher und Ron glänzt als Sinatra-Imitator. Vor Rock'n'Roll und Salsa machen sie genauso wenig halt wie vor spanischen Gitarrenwänden und französischem Chanson. Da muss auch mal ein Teil der so oft gehörten (und gegröhlten) 'Mickey Mouse in Moscow'-Bläsermelodie aufgrund des 3/4-Taktes dran glauben. Das einzige Stück der uneingestöpselten Darbietung, das mir negativ aufschlägt, ist die Dancehall-Version des Evergreens 'Summertime'. Dieser Song war selbst mit Thomas Scholz am Mikro nicht so monoton, wie er hier gespielt wird. Was soll's. Zwischendrin sorgt das etwas ältere Publikum mit Gags für Auflockerung. Leider etwas zu oft, der Witz geht nach etwa der Hälfte verloren. Regie führte übrigens Super-RTL-Moderator Paddy Kroetz und für das Licht war der ehemalige Busters-Drummer Gunther Hecker zuständig.

Der letzte Teil der Rezension-Xtra-Large nun geht endlich auf das Wichtigste ein: die CD! Die Einleitung erwähnte es bereits: 'back to the roots' heißt es. Zu hören ist eine gepflegte Mischung aus fetzigem 2-Tone-/ 3rdWave-Ska und karibischen bis swingigen traditionellen Ska-Rhythmen. Sehr positiv hervorheben möchte ich hierbei Sänger Ron Marsman, der nach dem akzeptablen Debut auf 'Evolution Pop' hier zu Höchstform aufläuft. Mit ordentlich Soul in der Stimme verleiht er vor allem den swingigen Stücken wie etwa 'Wishlist' eine ganz besondere Note und bei 'Doctor Love' ist nicht zulängst sein sehr an Suggs persönlich erinnernder Gesang daran beteiligt, dass der Song klingt wie von Madness zu ihren besten Zeiten. Richard Tabor wird – vom neu aufgelegten 'Breathe' und der Reggae-Nummer 'Walking in the rain' abgesehen – hauptsächlich bei den schnellen Stücken eingesetzt, verfügt aber nach wie vor über die charismatischere Stimme. Zu sehr zurückgezogen haben sich meiner Meinung nach die Solisten. Gerade eine musikalisch dermaßen geschulte Band wie die Busters sollte mit ihren Solo-Einlagen nicht geizen und auch das karibisch anmutende Instrumental 'Hitime' wäre mit mehr als nur einem Solo noch besser. Wirklich rockig geht es diesmal nur bei einem Song zu. Der heißt 'Love hurts' und ist so pop-punkig, wie es mehr schon fast nicht mehr geht, aber die Melodie ist absolute mitreißend.

Der einzige Song, der mich wirklich nicht ganz zu überzeugen weiß, ist tatsächlich die Vorab-Single 'The wrong song', deren Refrain-Melodie sich vor allem gegen Ende einfach viel zu oft wiederholt und die mit den Bläsern, die nur die Einleitung und Fills in der Bridge spielen zu sehr geizt. Auch der Text, indem sich die Gruppe als die musikalischen Buh-Männer der Nation hinstellt, weiß bei einer dermaßen sympathischen Band wie den Busters nicht zu überzeugen. Sei's drum, 'Double penetration' hat ordentlich Potential und ist – abgesehen von der Single 'Sukiyaki vs. Tokyo Ska Zone' im Mai 2005 – das erste Mal, dass Deutschlands bekannteste Ska-Band wieder vollends zu ihrem alten Stil zurückgefunden hat. Nur die Produktion hat sich seit 'Welcome to Busterland' ziemlich verändert und das Album klingt doch sehr clean. Über diesen Umstand hinwegsehend prophezeie ich dem Album aber einen Platz in meinen persönlich Busters-Top3-Alben.«

Tracks
1. Double It
2. Doctor Love
3. Cheerio
4. Good times are good
5. Here I am
6. Wishlist
7. Here we are
8. Hitime
9. Breathe
10. Love hurts
11. Walking in the rain
12. My girl 2
13. The wrong song

+ DVD:
14. Mickey mouse in Moscow
15 Summertime
16 Doctor love
17 Whiskey til I drop
18 Rude girl
19 The rose of Cairo
20 Sharp dressed girl
21 Good times are good
22 Dead or alive
23 Hitime
24 The wrong song (special)
3...
CD + Live-DVD: Ska Revolution, 2007

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