The Cabrians: For a Few Pussies More

Florian Heilmeyer: »Noch vor kurzem wurde man auf der Internetseite der Cabrians mit einem gigantischen 'PORNOMAFIA-SKA' begrüßt. Das ist nun vorbei. Man ist auf Italo-Western umgestiegen, was besonders bei den Videos der Band zu sehr unterhaltsamen Resultaten geführt hat. (bitte unbedingt auch bei youtube mal nachschauen!)

Der schmutzige Zehner aus Katalonien, der seine Musik wechselweise auch als 'Boss Porn Ska' bezeichnet, spielt allerdings noch immer gerne mit Anzüglich-Eindeutigem und greift damit auf die tiefen Traditionen von Ska und Reggae zurück, die ja immer mal wieder ganz deftige Songtexte zum Besten gaben (Push Wood, The Needle, Pussy Catch A Fire, etc, etc). Es geht also nicht um den sauberen Wilden Westen eines Kevin Costner, hier tanzt niemand mit dem Wolf. Hier sind Männer vor allem voller Whiskey und ständig hinter den wenigen Frauen her – abends gibt’s Bohnen mit Speck und morgens wäscht man sich höchstens die Kehle (mit Whiskey, klar).

Die katalanischen Cabrians gibt es seit acht Jahren und ihr Debutalbum 'Black Momerota' hatte mich vor drei Jahren in ziemliche Exstase versetzt: so rau, schmutzig und humorvoll hatte schon lange keiner mehr den alten Ska gespielt. 'For a Few Pussies More' knüpft dort an, allerdings eben mit einem klaren Einschlag von Western. So ist die Platte auch exzellent gestaltet, inklusive Wanted-Poster und der angesprochenen Komplettüberarbeitung der eigenen Internetseite. Das ist ungewöhnlich viel Aufwand für eine Skaband – ich weiß nicht, ob sie bei ihren Konzerten jetzt auch als Cowboys auftreten, mit Peitsche und Platzpatronen, aber ich kann nur sagen: wundern würde es mich nicht.

Das Markenzeichen der Cabrians ist ein absolut entspannter Trad-Ska, der zwischen schnell swingend und langsam jazzelnd pendelt, dabei aber vor allem außergewöhnlich groovig bleibt. Der Vergleich mit den Skatalites ist wirklich nicht weit hergeholt, so großartig spielen die Instrumente miteinander ('Pep Meets the Prophet', 'Whiskey A Gogo'). Diese Musik hätte einen schweren, whiskey-sauren Gesang verdient – aber hier singt 'Mario Cabretti', der leider absichtlich so stark wie möglich näselt. Das ist – gelinde gesagt – gewöhnungsbedürftig, hat aber ab und an tatsächlich eine eigene Qualität und man gewöhnt sich daran. Wenn es also eine Schwachstelle bei den Cabrians gibt, dann ist es der Sänger. Das sollte aber niemanden von dieser erstklassigen Skamusik abhalten, die von Stück zu Stück immer wieder Neues zu bieten hat: 'Bang Bang Shot' ist wie aus einem Pianoautomaten im Wilden Westen, 'Pussy Juice' ist ganz alter, traditioneller Ska, 'Maximiliano Malote' ist wie ein Instrumental des guten alten King Hammond aufgebaut. Es ist eine Platte, die ihre Einheitlichkeit aus durchaus unterschiedlichen Liedern zu bauen weiß und die dann mit jedem Hören besser wird. Wenn, wie gesagt, man mit der Art des Sängers umzugehen weiß. Wir sind schon gespannt, was das Thema der nächsten Platte wird: wenn Mafia und Cowboy jetzt durch sind, dann wäre als nächstes eigentlich James Bond dran, oder?«
CD:
Liquidator/Redstar27, 2008

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