Frau Doktor: Wer mich leiden kann kommt mit

Florian Heilmeyer: »Es wird schwierig werden – hatte ich doch zuletzt noch behauptet, die Genialität der zehn Wiesbadener Ska-Herren könne offensichtlich überhaupt nur auf einer Live-CD eingefangen werden. Wer das nicht erkennen könne sei ein vertrottelter Anfänger. Diese Aussage – unter Zeugen – gründete sich auf den letzten beiden Veröffentlichungen von Frau Doktor: das Studioalbum 'Penner Superdisco' (2002, Grover) war trotz einzelner Highlights eine Riesenenttäuschung, gefolgt 2004 vom grandiosen, alleswegfegenden, ichbrauchenurnochdieseeineplatte Livealbum namens 'Wunschkonzert'. Jetzt also 'Wer mich leiden kann' und es fängt auch sofort mit dem Titelstück an: ein quasi klassisches Frau-Doktor-Lied mit einer deutschen, poppigen Melodie, dazu harte Gitarren und einem soliden, schnellen und absolut mitreißenden Skarhythmus.

Frau Doktor sind und waren nie Skapunk, diese Rubrik wird ihnen nicht gerecht weil ihre Musik viel zu präzise ist und viel zu viel Soul beinhaltet. Schon immer haben Coverversionen von 'Strychnine' und 'Old Rockin Chair' ihre musikalischen Eckpunkte gebildet. Diesmal erwischt es äußerst passend 'Babylons Burning', dazu kommt das grandiose Instrumental-Skastück '501' und mit 'Generation Anspruchslos' ein rotziger Punkbrecher. Alles drauf, alles drin. Absolut grandiose Superscheibe, ich komm mit, und sei das Fahrziel auch Usbekistan!«


Knarösto JJ Pöpel: »Vier Jahre sind in die Lande gezogen, doch nun ist es so weit. Die werte Frau Doktor beglückt uns wieder mit neuer Musik! Der Nachfolger der 'Penner Super Disco' von 2002 hört auf den Titel 'Wer mich leiden kann kommt mit' (leider wurde der Arbeitstitel 'Razzia im Forellenpuff' verworfen) und zeigt sich vielseitiger denn je.

Schon der Opener und Titeltrack vereint sämtliche Einflüsse der Wiesbadener: Ska und Soul in fließenden Übergängen, im Refrain wird's punkig und im Outro gibt's Reggae. Mit diesem Song ist das Album schon bestens repräsentiert, denn genau diese Einflüsse verteilen sich auf die restlichen Songs der CD, die auch als Picture-LP erhätlich sind wird.

Flotten Ska gibt es beispielsweise in 'Status Quo", soulig wird's u.a. bei meinem Favoriten 'Ein gutes Team', die 'Generation Anspruchslos' geht mit Punkrock und ironischer Lyrik dem Proletentum auf den Grund, Reggae gibt's auf der 'A 3' und 'Killer-Virus' ist ein traditonelles Ska-Instrumental, wie Frau Doktor sie schon viele aufgenommen haben. Ein ganzer Haufen also, an Abwechslung mangelt es dem Album sicher nicht.

Die Soul- und teilweise etwas poppig gehaltenen Punk-Einflüsse sind stärker ausgeprägt als auf dem Vorgänger. War der Ska auf alten Machwerken der vielen Einflüsse zum Trotze immer mit großem Abstand der Haupt-Akteur, ist die Mischung diesmal recht ausgewogen.

Bevor ich mit einem positiven Resumée schließe, möchte ich es noch lobend erwähnen, dass mit 'GUZ e.V.' endlich dem großartigen Sänger der großartigen Aeronauten, der auch schon zwei Frau Doktor Alben produziert und dessen Band sie letztes Jahr supportet hat, ein ihm würdiges Denkmal geschaffen wird. Das Album selber endet übrigens mit einer Dubversion des Titeltracks, die ich - im Gegensatz zu 'Doftsackli' auf der 'Penner Super Disco' - richtig gelungen finde. Also, wenn Üni und seine Jungs vor meiner Tür stehen und sagen 'Wer uns leiden kann kommt mit': ich bin dabei!.«

Tracklisting
01. wer mich leiden kann kommt mit
02. 501
03. Killer Virus
04. ein gutes Team
05. GUZ e.V.
06. O.K.
07. generation anspruchslos
08. status quo
09. A 3
10. babylon´s burning
11. Strand in Angst
12. Maggie May
CD: Ritchie Records, 2006

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