Firebug: On the move

Perry Slalom: »Gute Veröffentlichungen aus dem Hause Grover, die Siebenundneunzigste: schon ca. ein halbes Jahr vor Veröffentlichungn von 'On The Move' wurden in den diversen Skaforen erste Fragen nach dem VÖ-Termin und deutliche Ungeduld laut. Verständlich, bereits der hauptsächlich privat vertriebene Erstling 'Firebug' hatte doch das interessierte Ohr und Tanzbein mit aus dem Heimatland der Musiker, Brasilien, völlig unerwartet guter Musik getroffen.

Spätestens mit dem Gedanken an Vic Rice, dem wohl unbestritten besten Skaproduzenten, der ja eben dort in Brasilien einen Lebensmittelpunkt hat, beantwortet sich natürlich die Frage, warum Firebug so einen fetten Sound zu Gehör bringen, natürlich von selbst, natürlich hatte 'Es gibt Rice' beim Output von Firebug sein goldenes Händchen an den Reglern.

Offenbar versteht er die Musik von Firebug mit längerer Zusammenarbeit immer besser, jedenfalls ist 'On The Move' selbst dem beeindruckenden Vorgängeralbum um Längen voraus. Ziemlich sicher besitzen die Songs eine unglaubliche Reife, geben sich erst gar nicht die Mühe, sich dem glattgebügelten Gehörgang des Durchschnittshörers anzupassen, sondern krempeln ihn mit cleverem Arrangement, unsagbar molligen Harmonien und natürlich der unvergleichlichen Wärme, die Rice-Produktionen immer wieder auszeichnen, einfach um.

Dadurch erklärt sich auch der große Sprung zu 'Firebug': Im Gegensatz zu jenem Werk bleiben die Stücke von 'On The Move' einfach besser haften. Ska-Hörer, die ihre Lieblingsmusik nicht in Melodica per Second kalkulieren, bekommen mit dem vorliegenden Album eine weitaus bessere Chance, die Musik von Firebug zu mögen. Hat diese ihre früher weitaus dominantere Position mittlerweile stark reduziert und hat nun eher die Rolle eines geschickt dosierten Gimmicks, welches Rhythmus und Melodie an den passenden Stellen unterstützt.

Natürlich stehen auch auf 'On The Move' Soul, Groove und Wärme stark im Vordergrund, Midtempo-Stücke wie 'Your Guy' oder 'Finding My Way' lassen dennoch drauf hoffen, dass man das eine oder andere Mal auch mal zur Musik von Firebug tanzen kann, anstatt sich nur auf erstklassige Weise von ihr in brasilianische Soundträume entführen zu lassen.



Hajo Kiel (Rinn inne Pann-Fanzine): »Bassist und Starproduzent Victor Rice from NYC, sowie 2 Brasilianer (Brasilien ist übrigens der zweitgrößte Absatzmarkt für Reggaeplatten weltweit) sind der Rumpf von Firebug, die sich für dieses Album ein paar weitere Musikanten ins Boot geholt haben. Für einige Songs unter anderem Hochkaräter wie Agent Jay (Slackers) oder Dave Hillyard (ex Hepcat/Slackers).

Zusammen legen sie hier ein sehr relaxtes und rootsiges Album hin, mit den wohl unvermeidlichen (aber wenigen) Dub-Anleihen. Erfreulicherweise gibt’s wenige Instrumentals und Sänger Felipe Machado weist eine angenehme Stimme vor. Nettes Album, würde nicht zum Schluss in alter Carlos Santana-Manier mehrfach zum Gitarrensolo angesetzt.

Meines Erachtens nach war die Einführung dieser Unsitte in den 70ern das Kapitalverbrechen schlechthin in der Historie der Reggaemusik. Aber wie gesagt, kommt nur zum Schluss mal vor, zieht sich nicht durch die ganze Scheibe

CD: Jump Up Records, 2006

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