Perry Slalom berichtet:
Die Kassierer & Sondaschule im Haus der Jugend in Barmen 8.3.2003


Gemischte Programme, leider aber auch gemischte Gefühle, beherrschten am Samstag das Haus der Jugend in Barmen. Während im mäßig gefüllten großen Saal die Bon-Jovi-Coverband Crossroads mit ihrem beinahe perfekt kopierten Sound einen gleichwertigen Ersatz für die „Superstars“ boten, ging es im kleineren LCB eher grotesk zu. Dorthin hatte man die Kassierer und in deren Vorprogramm die Ska-Punkband Sondaschule gebucht. Die Eröffnung markierten die lokalen Punkrocker Happy Dispatch, die mit aggressivem, dichtem Punk und Oi! nahtlos an ihren guten Auftritt beim Rock’n’Roll-Clash anknüpften.

Sondaschule aus Mülheim gerieten zum eigentlichen Gewinner des Abends, konnten mit ihrer Mischung aus flottem Ska und freundlichem Knüppelrock, vor allem aber mit ihren teilweise abgedrehten Texten überzeugen. So trugen die Sondaschüler ihre Meinung zu den weiblichen Tagen („Aus meiner Freundin hängt ein Faden“) vor, boten aber auch als „Ludensohn“ ihr Dixieklo zum Tausch gegen einen Bungalow an.

Eine denkwürdige Geste der Band ging an jemanden, der dieses Konzert leider nicht mehr miterleben konnte: Schon vor der Veranstaltung war ein junger Mann als Fußgänger auf der Höhne vor dem HdJ in einen schweren Autounfall verwickelt worden, sein Schicksal war zu dieser Zeit noch ungewiß. Mit einem traurigen Gruß gedachte die Band diesem Menschen mit ein paar Sätzen. Die tragische Begebenheit lastete auch schwer auf vielen Mitarbeitern und Gästen. Der Leiter des HdJ, Franz Schmidt, drückte hierzu im Gespräch mit der WZ auch sein tiefes Bedauern aus, formulierte aber auch den Wunsch, daß die mitunter gefährliche Ver-kehrssituation durch verkehrspolitische Maßnahmen entschärft werden möge.

Ungeachtet all dessen lieferten die Kassierer einen gewohnt skurrilen und spaßigen Gig. Mit einer einmaligen Mischung aus Polka und Punkrock gaben sie ihre teilweise absurden Songs über die sexuelle Affinität zu alten Männern, deftige Saufhymnen oder das clever umschrie-bene „deutsche Polizisten, Gärtner und Floristen“ zum Besten, tauschten sich mit dem Publi-kum auch gerne über den Bundespräsidenten aus. Irgendwann entblößten sich die, wirklich nicht hübsch anzuschauenden, kassierenden Mitvierziger noch und lebten dabei auf der Bühne einige abscheuliche „Performances“ aus, so z.B. das Einführen einer behandschuhten Hand in das Hinterteil eines Musiker. Mit einer soliden Mischung aus Punk und Ska aus der Konserve entließ dann DJ Dave die Gäste nach einem absurden Abend in die Nacht.
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