Kescher: Broadway, Baby!
Perry Slalom: »Zu den Bands, die einfach mal ein paar freundliche Zeilen verdient haben, gehören zweifelsohne Kescher aus Radevormwald, welche mit 'Broadway, Baby!' eine erstaunlich elegante CD in Eigenproduktion auf den Markt werfen. Gut, Radevormwald, mag man jetzt denken, genauso könnte der Schreiber dieser Zeilen behaupten, dass aus, beispielsweise, Herdecke brauchbarer Ska kommen könnte. Beides stimmt, aber zurück zu Kescher und vor allem zurück nach Radevormwald.

Was auf den ersten Gedanken nach allertiefster Provinz klingt, ist für den talentierten Sechser ein absoluter Standortvorteil. Schon ein paar Jahre in der bergischen Region auf jedem denkbaren Liveklo zu finden, haben die Musiker um die bezaubernde Inga den Umstand, quasi eine Monopolstellung bei der örtlichen Hüpfjugend zu besitzen, optimal für sich ausnutzen können.

Während sich Kescher nämlich in den letzten Jahren stets sicher sein konnten, auf jeden Fall eine begeisterte Crowd im dreistelligen Bereich völlig unabhängig von der Tagesform zu begeistern, hat sich durch diese permanente Zustimmung ein großes Selbstvertrauen bei Band und Musikern entwickeln können, gepaart mit einer großen musikalischen Eingespieltheit. Mit anderen Worten: Kescher sind tight. Und sie haben Eier. (Auch die Sängerin? *staun* Anmerkung des Webmeisters ;o)

In der Gewissheit des sicheren Erfolges des jeweils nächsten Abends konnte die Kombo so sogar noch am Bühnenaufgang Songs komplett neu arrangieren, neu schreiben und sich in ihrem Urteil über Material und Präsentation desselben allein auf den eigenen Geschmack verlassen, anstatt aus Respekt vor überkritischem Publikum ihre Ideen nur halbherzig zu verwirklichen.

Noch völlig ohne jeglichen Kontrakt, dafür mit dem in den Remscheider Donner-Studios wirklich sehr rund produzierten 'Broadway, Baby!', legen sie ein Demo vor, das nicht nur für eine Nachwuchsband auf sehr hohem Niveau tönt. Irgendwo zwischen elegantem Reggae und karibischen Klischees, entspanntem Midtempo-Ska mit augenzwinkerndem Rhythm’n’Blues-Einschlag und erfrischendem akkustischem Ofbeat-Geschrammel hätte jeder der 11 Songs einen Eintrag z.B. in das Tracklisting eines Skarmaggedon-Samplers verdient.

Die Texte sind absoluter Quatsch. Gottseidank. Mit Abiturientenlyrik geben sich Kescher mittlerweile nicht mehr ab, auch nicht mit verquastem Pseudotiefgang a la Hammerhai. Wenn z.B. die 'Mrs. Smith' Angelina besungen wird oder der heiße Latina Fernandez Lopez gehuldigt (meistens auf deutsch, und gerne auch im harmonischen Duett zwischen Sängerin Inga und Bassist Dennis), müssen Kescher auch auf dieser Ebene niemandem mehr etwas beweisen und erzählen leichten, freundlichen Quatsch. Wie den das Album abschließenden Tipp: 'Don't Eat Yellow Snow!' In diesem Sinne

CD: 2006

Direkt bei Kescher erhältlich