Kalles Kaviar: Lime Time
Lolli Loll: »Mann, Mann, Mann… Hätte ich mehr Zeit… Ich würde mir das Album, ne Decke und ne Kühltasche schnappen und mich bei dem geilen Wetter an den Harkortsee packen und der Kühltasche nacheinander die Zutaten für einen leckeren Cocktail entnehmen, selbigen zubereiten, genießen, währenddessen die Neuschöpfung von Kalles Kaviar hören und solange in die Sonne glotzen, bis auch ich Halluzinationen von einem Sandstrand habe. Lange würde das nicht dauern. Nicht wegen der (hochprozentigen) Art, meine Cocktails zuzubereiten, sondern wegen der süßen Melodien, die mir ins Ohr plätschern. Schön die Bläser gesetzt, zuckersüßer Gesang, entspannte Atmosphäre, jazzy, dubby, (Rock)steady.

Ach was: scheiß auf Steuern machen, scheiß auf Wäsche bügeln, scheiß auf Freundin - ich bin am See. Und ich weiß: Das wird ein schöner Tag. Auch ohne Cocktails.«


allska-Bewertung:
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Florian Heilmeyer: »Seit zehn Jahren gibt es diese Band aus Basel bereits und man hört es: waren die 1998 und 2000 herausgegebenen Tonträger noch schwer rumpelnde, raue und harte Rhythmen in der Überzahl, als hätte man die Schweizer in ein jamaikanisches Tonstudio der späten Fünfziger gesteckt (zwölf Mann - ein Mikro – nur eine Chance), hat sich schon auf dem Vorgänger die Tendenz verstärkt, doch mal etwas mehr Produktion in die Platten zu stecken. Meiner Meinung nach hat sowas ja immer Vor- und Nachteile: die einzelnen Instrumente sind besser zu hören und insgesamt ist sicher die pure Qualität einfach besser. Es verliert aber auch an Improvisation und krachiger Unperfektion. Entweder man mag die Skatalites eben oder nicht – da geht es ja auch um die Volldampf-Verspieler. Sowas haben die neuen Veröffentlichungen von Kalles Kaviar also nicht mehr.

Dafür haben sie eine zuckersüße Melodie, besonders die Stimmen von Nicole Schlachter (was für ein Name!) und Andi Schaer profitieren davon. Reggae und Rocksteady, sogar mit Calypso und 'schubidu', sehr karibisch, sehr süß, hört euch mal den Titelsong 'Lime Time' an – das ist Cocktailbar-Bigband-Ska wie Byron Lee in späten Jahren. Hört euch aber auch mal 'Sugar in Your Soul' an, das ist ein Hammer-Rocksteady-Hit, kein Wunder, wenn hier auch noch Eric Morris und die Silvertones gecovert werden.

Fazit: die Schweizer wissen inzwischen wie sie ihr Gespür für Ohrwürmer in zuckersüße Produktionen verpacken. Manchmal vielleicht zu viel Zuckerwatte, aber gottverdammt, was für eine geile Zuckerwatte. Das einzige nachweisliche Verbrechen dieser Band ist, dass sie so gut wie nie aus den Schweizer Bergen heraus kommt, schon gar nicht bis nach Berlin

Tracklisting
01. Take A Little Love
02. Cool Down Greedy Man
03. Bluebirds Flying Over
04. Lime Time
05. Onethousand And One
06. Time Will Tell
07. Hit Me Like A Hailstorm
08. Sugar In Your Soul
09. Nobody Knows
10. Gunboat Beach
11. What More Can I Say
12. Oh Daddy
13. Don't Let This Love Die
14. You Stole The Summer
15. Last Laugh
CD:
Leech Records, 2006

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