Ollie Q. And The Deep Six – Waking Up Dead
Roland Kresse alias Lolli Loll: »Manchmal lösen sich Dinge auf, von denen man dachte, dass sie zusammen gehören. Das dachte ich zumindest, als ich hörte, dass sich die 'Rotterdam Ska Jazz Foundation' auflöste oder besser gesagt splittete. Das 'Wieso' und das 'Warum' möchte ich hier auslassen, man kann es (zumindest die eine Seite) auf der Website nachlesen.

Ich möchte beide daraus entstandenen Gruppierungen nicht mehr missen und werde auch keine Vergleiche mit den heutigen Besetzungen anstellen. Die beiden Gruppierungen wandern – wie ich finde – so oder so auf anderen (musikalischen) Wegen... Hier soll es um die 'mengenmäßig größere Hälfte' der gesplitteten RSJF gehen.
Die Philosophie der Band ist es laut Website, 'focused on keeping it small and playing deep'. Was jetzt nicht heisst, dass Gastmusiker nicht erlaubt sind. Am 15.4.2005 spielten Sie in Essen mit 'The Incredible Derrick' als Vorband und 'Alpha Boy School' als Headliner. Gast an den Percussion-drums: Thorsten Rolf von den 'Los Placebos', der zuvor auch schon Gast bei einem Gig in Rotterdam war. Desweiteren war sich Frank 'D-Lite' im Februar 2005 auch nicht zu schade die junge Traditional-Jazz-Ska-Band 'Skin Ya Teet' bei Ihrem zweiten Auftritt zu unterstützen und mit Ihnen den Klassiker 'Old Rockin'Chair' zu performen. Meiner Meinung nach Zeichen für Weiterentwicklung und Experimentierfreudigkeit.

Der vor mir liegende Tonträger nun versprüht eine Menge an Experimentierfreudigkeit. Ich höre traditionell angehauchte Ska-Songs, wilde Free(?)Jazz-Einlagen (Man From Al-Ska'ida), ein langsameres Ska-Stück mit sehr jazzorientierten Soli (Law Of Love) und einfach nur schöne Ska-Tracks zum mitsingen und -fühlen.

Ganz zu Anfang steht 'Sweet Chopica' ein swingendes Instrumental, das man locker dem (reinen) Jazz zuordnen könnte, wäre da nicht an ein paar wenigen Stellen ein Offbeat der Gitarre zu hören.

'Waking Up Dead' ist dann ein Ska-Smasher, der mittlerweile zu meinen Lieblingsstücken zählt. Besungen wird eine zu Ende gegangene Beziehung, wobei der Erzählende das Resümee für sich zieht. Gespickt von schönen Soli und witzigen Bläsereinwürfen: für mich der Kracher der CD.

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Hola Rasta'. Hui! Bei diesem Instrumental wird sich etwas getraut, was ich nie für machbar gehalten habe. Altsax und Trompete spielen oft 'uni-sono'. Was für viele schief und 'schräpig' klingt (das tut es für mich auch!), finde ich umso respektabler, da Ollie Q. And The Deep Six es einfach tut! Hut ab! Live wurde das Stück mittlerweile bearbeitet, d.h. der Bassist hat hier einen Gesangspart. Oder sollte es etwa eine einmalige Einlage bei dem o.g. Konzert in Essen gewesen sein?

Bei 'Law Of Love' steigt Frank 'D-Lite' Diemel wieder ein und gibt Tipps zur richtigen Handhabung von Frauen und der Liebe, jazzig (besonders die Soli) und zurückgelehnt gehalten.

Den Text von 'Puertorican Shower' habe ich ehrlich gesagt nicht genau interpretieren können, ich finde, er lässt eine Menge Deutungspielraum für den Hörer übrig. Musikalisch sehr viel Ska, sehr viel groove, sehr zum Anspielen empfohlen.

An diesen Stil knüpft 'Friday Night Special' nahtlos an und ist definitive ein Track, um ihn am Wochenende kurz vorm Weggehen zu hören. Motto: 'Die Party fängt gleich an!'

Der Rausschmeißer ist wieder ein Instrumental: 'Man From Al-Skaida'. Rhythmus: Wild. Bläser: Krass. Geschwindigkeit: Rasendschnell. Stil: Free-Bebop-Jazz-Ska? Und trotz des abgefahrenen Musikwirrwarrs finden die Bläser aus den Soli gemeinsam in ruhigere Melodien zurück. Den Song könnte man auch problemlos einsetzen um zu demonstrieren, was ein Saxophon so für Töne von sich geben kann, jenseits der Grifftabelle... Gelungenes Schlussstück, mit dem alle Instrumentalisten – und besonders die Bläser- nochmals ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Fazit:
Weiter so Ollies, ich freue mich auf mehr! Ich möchte noch anmerken, dass die CD auf Give-Away-Basis erstellt wurde. Einen crispy-cleanen Sound sollte man nicht erwarten. Allerdings kann man auch das Portemonaie zu Hause lassen! Einfach mal die Jungs ansprechen und schon kann man den Tonträger sein Eigen nennen. Oder auf deren Seite ein paar Tracks downloaden. Frei nach der Philosophie [Zitat Frank D-Lite] 'it's more than a hobby' soll die CD-Produktion keinen Gewinn bringen, sondern dazu dienen, die Musik zu verbreiten und wer sie nicht mag, der soll die Scheibe seinem Nachbar geben, vielleicht gefällt die dem ja...«

Tracklisting
1. Sweet Chopica (?)
2. Waking Up Dead (M. Quist, A. Verhaaf)
3. Hola Rasta (B. Olson)
4. Law of Love (M. Deijmann)
5. Puertorican Shower (M. Deijmann)
6. Friday Night Special (F. van der Velden)
7. Man From Al-Skaida (M. Deijmann)
8. Man From Al-Ska'ida
CD Ollie Q. & The Deep Six, 2005

Link zur 'Ollie Q. & The Deep Six'-Homepage
mit Downloads des besprochenen Tonträgers

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