Ratatouille: Techno

Lolli Loll: »Na Endlich! Nen dreiviertel Jahr lagen die Aufnahmen jetzt rum, keine Auftritte von der Combo. Durststrecke. Woran lag es? Angeblich das Artwork und Abi machen… (Faule Säcke!!!)

Nun gut, die Frage ist: schafft es die explosive Live-Energie dieser jungen Combo auch auf nen Tonträger? Die Mimik des Sängers, die Choreos der Bläser, die Sympathie und das Charisma der ganzen Band, all das ist nur allzu schwer auf ne Scheibe zu pressen…(Wobei die Scheibe an sich schon sehr cool gebastelt ist: Design wie ne 7“ Single, aber auch mit fühlbaren Rillen!).

Also: was geht auch auf Scheibe?

Die Texte gibt es auch hier natürlich in Russisch, Englisch, Spanisch und Französisch um die Ohren. (Waldorfschüler halt! *zwinker*) Versteh' ich zwar außer Englisch nicht wirklich, aber meine Freundin freute sich beim Kaffee am Morgen nach dem Releasekonzert sichtlich über den Inhalt der spanischen Texte. Aus Ihrer Übersetzung entnehme ich also: nicht zu ernst nehmen! Ein Auge wird zugedrückt und ne spaßige Deutung ist inbegriffen.

Das was ich verstehe sind dann mehr oder weniger sinnfreie Partysongs oder die Stücke handeln von den Problemchen des Alltags: Beziehungen, ein bisschen Zukunftssorgen etc. Ein Song der textlich herausragt ist 'Rukelie'. Erzählt wird die Geschichte eines deutschen Boxers, der durch seine 'Sinti und Roma Wurzeln' arge Unannehmlichkeiten und dann auch den Tod unter dem Naziregime erfährt. Galante Art seinen politischen Standpunkt auszudrücken! Wäre dieser politische Titel nicht im Repertoire der Scheibe, hätte ich ja bemängeln müssen, dass dem textlichen Inhalt des Cumbia (eine Zutat der Mestizo-Musik) nicht genug gewürdigt wird, da es sonst hauptsächlich um Frauen und Party geht.

Denn immerhin wird die Stilmischung des Albums als 'SkaLatinPolkaReggaeCumbiaSwingPatchankaRaggamuffin + X' angekündigt. Ska, Latin, Cumbia, Polka, Swing und Patchanka höre ich deutlich raus. Aber wo sind die beiden langsameren Vertreter Reggae und Raggamuffin? Finde ich nicht! Ist mir auch egal, alles ist durchweg hervorragend tanzbar und erfüllt somit die Voraussetzungen, die man von der Konserve einer so ansteckenden Liveband (und von der Beschreibung der von mir erkannten Musikstile) erwartet.

Unterstützung wurde sich geholt in den Gebieten, die die Band nicht abdecken kann und die Live auch nicht fehlen: Percussion, weiblicher Gesang und Chor. Nach dem Motto: 'Wir realisieren das nicht auf der Bühne, dann versüßt es halt die Aufnahmen.' Schöne Abrundung der Scheibe.

Fazit: Ja, es geht. Ich bekomme die volle Energie der Band auf die Ohren, werde nach dem Intro mit einem (nahezu reinen) Skatrack begrüßt und bei 'The First One' bin ich in Gedanken auf Kuba. Zwischendurch schwelge ich in alten Bigbandtagen und freue mich über musikalische Einwürfe der Bandmitglieder an Akkordeon (genau hinhören!!!) und Geige. Alles mit Druck und nicht ein Ausfall ist dabei. Die Multilingualität sorgt für internationales Flair. Haben wir hier die deutsche Antwort auf Panteón Rococó, La Vela Puerca, und The Cat Empire gefunden? Nunja, vielleicht überrascht mich ja noch ne andere deutsche Band, allerdings hab ich aus dem Ruhrgebiet noch nichts Vergleichbares gehört. …und die Jungs plus ein Mädel sind ja noch klein! Ich erwarte eine große Zukunft! Album kaufen und unbedingt mal Live sehen!

Tracklisting:
1. Intro
2. Monkey
3. The First One
4. Igorny Priton
5. Alfred Bomba
6. La Chinita
7. Soulfire
8. Interlude
9. Rukelie
10. Tango 80
11. Lakomstva
12. Swadba
13. Morenos
14. Mademoiselle Patchanka
CD: Moonstomp Records, 2006

Hörproben und Kaufmöglichkeit auf der Ratatouille-Website

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