'Beatbuster' von den 2ToneBoys berichtet:
Konzertrückschau: Rude & Visser am 27.03.2005 in Düsseldorf
Am Ostersonntag lud uns unsere Landeshauptstadt Düsseldorf zu einem der legendären Konzerte im Stone (Ratinger Hof), zu der noch legendäreren Holland-Ska-Combo 'Rude & Visser' (Mr. Review) ein.

Und was treibt eine Hand voll Jugendliche vom beschaulichen Niederrhein immer wieder zu Konzerten von Rude & Visser? Richtig! Die Vorfreude, dass man die in unseren Augen beste Ska-Band Europas erleben darf. Da hielt uns auch keine Nesträuberei und kein Kaffeekränzchen zu Ostern mit der buckeligen Verwandtschaft auf. Schnell war der zum Ersatz-Ska-Mobil aufgewerteten Opel-Astra vollgetankt und die Autobahn Richtung Düsseldorf gefunden. Diesmal erreichten wir die Landeshauptstädt, dank der wiedermal ausgezeichneten Streckenplanung von Rudeboy, in der Rekordzeit von 4 1/2 Bieren. Dass mir als Kutscher der Genuss vorgenannter Getränkeart verwehrt bliebt, war auch schon der einzige dicke Minuspunkt, den ich für diesen Abend verzeichnen musste.

Erwartungsgemäß hatte sich bei unserem Eintreffen am Stone sich schon ein recht ansehnlicher Pulk buntester Mischung gebildet. Da wurden schnell alte und jüngere Bekannte (u.a. Rudegirl vonner Waldorfschule, die Skins aus Wuppsetal etc.) getroffen und standesgemäß begrüßt. Ja - so ist die Ska-Szene nunmal. Man kann kommen, wohin man will - man trifft immer Bekannte. Mit 11 Scheinen lag der Eintritt noch im angemessenen Rahmen.

Sondaschule am pauken und musizieren.
  
Als Vorband warteten die Schüla der Sondaschule auf uns. Man kann ja von Sondaschule halten was man will - sie sind auf ihre Weise eine witzige Party-Band für diejenigen, die sich mit Ska-Punk auf Assi-Niveau anfreunden können. Mein Ding war Ska-Punk eigentlich noch nie, aber man ist ja tolerant. Die Sondschula hatte ihr ganz eigenes Publikum dabei, welches sich besonders durch das Durchschnittsalter von Fahrschulgänger auszeichnete. Wenn man mich zu Anfang des Abends gefragt hätte, was ich von Sondaschule als Vorband von Rude & Visser halten würde, so hätte ich geantwortet, dass ich diese Kombination als nicht besonders glücklich ansehen würde. Ebenso wie die Kombination aus Sondaschule und Los Placebos vor wenigen Monaten in Duisburg mehr eine Zweckgemeinschaft war, als eine Liebesheirat. Jedenfalls tauschten sich die vordersten Reihen nach Sondschule erwartungsgemäß mit den Leuten, die ich jetzt einfach mal Pauschal als echte Ska-Fans bezeichnen darf, aus und das Sondaschul-Publikum verschwandt einige Reihen dahinter.
Wer das Stone kennt, der weiss, dass der Platz zum gemütlichen skanken vor der Bühne recht begrenzt ist. Zu Recht befürchtete ich, dass »von Hinten« wieder gepogt werden würde und der ein oder andere friedlich vor sich hin Skankende, seine eben erwähnte Friedlichkeit dadurch verlieren könnte. Letztendlich kam es auch dazu, aber dazu später mehr.

Rude & Visser - zu Band brauche ich dem geneigten Leser dieser Zeilen sicher nicht mehr viel zu erzählen. Dr. Rude und Arne Visser trafen sich vor etwa 15 Jahren auf einem Mark Foggo Gig und dort sprang der Götterfunke in Form der Idee zur Gründung einer eigenen Ska-Kombo über. Vormals als Mr. Review und seit neuester Zeit unter dem Namen Rude & Visser bereichern die Holländer die Ska-Welt mit einer melodischen, stets ein wenig melancholisch mitschwingenden Musik. Vielleicht ist es gerade diese zarte Melancholie, die einem jeden Song ein wenig näher zu Herzen bringt, als es andere Ska-Songs für gewöhnlich tun.

Dr. Rude

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'TheBeautyAndTheBeat'
von den 2ToneBoys


Arne Visser & Dr. Rude in Aktion.
  
Auch an diesem Abend im Stone sollte der Mob voll auf seine Kosten kommen. Wie man es von Profis erwarten kann, brachten Rude & Visser in Vollendung alte und noch nicht veröffentlichte Songs zum Besten. Der Abend hätte als Gesamtkunstwerk von mir das Prädikat »schweinegeil« bekommen, wenn sich nicht meine hier zuvor erwähnten Befürchtungen bewahrheitet hätten.
Denn es dauerte nicht lange, da wurde »von Hinten« gepogt und mit schmalzig-filzigen Locken nur so um sich geworfen.Tut mir leid liebes Sondaschul-Publikum, aber da reagiere ich und die meisten anderen nunmal sehr allergisch gegen. Einige Skins aus den vorderen Reihen brachten unmißverständlich zum Ausdruck, dass das Gepoge absolut fehl am Platz und störend war.
Besonders in der ersten Reihe befand sich ein Skin mit seinem Rudegirl (ein verdammt hübsches Rudegirl - Anmerkung der Redaktion), der mit einem der Pogenden aneckte. Nachdem der Letztgenannte bereits einmal dem Rudegirl ins Kreuz gesprungen war, wurde ihm unmissverständlich klar gemacht, dass er verdammtnochmal aufpassen sollte. Dass er dieser Warnung keine Beachtung schenkte und dummdreißt weiter Ellenbögen verteilte, brachte ihm einen in Vollendung gezeigten Gesichts-Punch ein. Obwohl ich an dieser Stelle vielleicht nicht so drastisch reagiert hätte, hatte ich doch für die Aktion Verständnis. Wer nicht Hören will muss fühlen sagt der Volksmund und der Volksmund lügt bekanntlich nie. Das Gepoge hielt sich seit diesem Vorfall für den Rest des sagenhaft geilen Konzertes wieder in Grenzen.

Dr. Rude
Am Ende standen wir durchgeschwitzt, glücklich und mit der Gewissheit wieder ein geiles Ska-Konzert gesehen zu haben, traditionell für ein Abschlußbier im Engelchen. Das Engelchen ist eine winzige Pinte in der Altstadt für das szenekundige Publikum. »Dort gehen die Ratten zum saufen hin« sagte eine sichtbar gut betuchte Schickse in der Fußgängerzone zu ihrer oberstudienratmäßigen Begleitung und deutete auf das Engelchen. Schöner hätt ich's auch nicht sagen können...
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