The Special Guests feat. Willie Ocean: Beetroot
Florian Heilmeyer: »Ich gestehe es: ich bin befangen. Bei jeder regulären Gerichtsverhandlung würde der Verteidiger mich jederzeit abberufen können. Denn ich bin der allererste Fan, den die Special Guests hatten. Vorher hatten sie nur Verwandte, ich war der erste Fan.
Erstfans sind sehr schwierige Menschen, besonders weil sie knochentrockene Konservative sind. Jede Änderung ist ihnen ein Greuel und so bin auch ich noch immer unversöhnt wegen des Sängerwechsels. Es ist ja nicht so, dass Leon damals ein guter Sänger gewesen wäre. Gar nicht. Aber gerade diese Unperfektheit des Gesangs hat der immer schon großartigen Musik der Berliner das 'gewisse Etwas' verliehen, eine an die Skatalites erinnernde Unverwechselbarkeit. Das haben sie mit Willi Ocean seitdem noch nicht erreicht.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob man sich damit einen Gefallen tut, sich nun immer als 'Special Guests feat. Willie Ocean' anzukündigen. Damit bleibt er weiter und stärker betont ein Fremdkörper in der Band. Unter dem Vorbehalt, dass ich vielleicht wirklich zu befangen bin, habe ich doch das Gefühl, dass Text und Gesang mit der Musik fremdeln. Mein Gefühl wird bestätigt, wenn meine Lieblingslieder auf der Platte genau die sind, deren Texte nicht Willie, sondern Tastenmann Sebastian Blottner geschrieben hat: 'Drop in the Ocean' und 'Love Chains' sind richtig gut.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: die Platte ist auch gut. Hervorragend gemachte Musik, sehr gute Mischung aus Ska und Soul, eine zumindest unterhaltsame Coverversion von 'Talkin bout a revolution' (Tracy Chapman). Etwas sehr weich geraten, aber insgesamt sehr gelungene Platte. Für Leute, die die Special Guests nicht schon ewig kennen. Nicht für uns Fans der ersten Stunde.«
Tracklisting
1. Beetroot
2. Up To You
3. Drop In The Ocean
4. Talkin' Bout A Revolution
5. Build A Castle
6. Ask My Mom
7. Wannabe
8. Love Chains
9. I Got Music
10. Security
11. Headshrinker
12. Mascara
13. Free
14. Bonus-Video 'Beetroot'
CD: Moanin Records, 2007