Perry Slalom berichtet:
Ska-ntwerpen Festival am 11.11.2003
Moon Invaders • Braces • Proyecto Secreto •
Toasters • Rude Rich & The Highnotes • Alton Ellis

Am Dienstag, den 11.11. machten wir uns auf, dem heimischen Karnevalstrubel zu entgehen und ließen uns dafür auf ein anderes buntes Treiben ein: das gleiche Datum nämlich wird nämlich in Belgien anläßlich des Waffenstillstandes im ersten Weltkrieg als Feiertag zelebriert. Im Hof ter Lo zu Antwerpen wurde dieser Feiertag zum Anlass genommen, ein hochkarätig besetztes Ska-Festival zu veranstalten. Gemeinsam mit meinen liebgewonnenen Skaveteranen Flo, Landplage und Urs haben wir diesen Anlass zum Mitfeiern genutzt.

Perry, Landplage, Flo

Alle Fotos auf dieser Seite:
Urs - ska-pics

Die Strecke von Düsseldorf nach Antwerpen verging in Ursis Kampfcorsa wie im Flug, auf der Rückbank und mit Flo wurde dessen Geburtstag gefeiert, Urs hatte extra einen riesen Proviantsack gebastelt und so kamen wir kurz nach Opening in Anvers an.

Wer auch immer die erste Band war - wohl die aktuelle Toasters-Vorband Whitmore, die für Mixtwitch eingesprungen sind -, wir haben sie jedenfalls knapp verpasst und wärmten uns erst einmal im Foyer zwischen Bierstand (1 becher Bier 1,50 EUR) und DJ Soundsystem skankenderweise auf, indem wir vor dem DJ eine Tanzfläche improvisierten. Ich glaube übrigens nicht, daß hier getanzt worden wäre, hätten die Ska-talker nicht sofort ihre Füße geschwungen.

Moon Invaders
Schnell folgte die Auflösung des alles überschattenden Diskussionsthemas, indem wir feststellen durften, daß die großartigen Moon Invaders (noch) nicht besser sind als die Slackers, aber trotzdem für eine europäische Band einen sehr tighten Trad-Ska spielen. Sie sind die erste belgische Ska-band, die meinen Erfahrungskreis betreten hat und stellen für mich einige der Neo-Trad-Interpreten, die ich gesehen habe, in den Schatten. Anlaß zur kritik boten jedoch schon die beiden Sänger, die einfach aussahen wie Hulle, weil sie keine Sekunde in's Styling investiert hatten.
Gleichzeitig steht dies aber stellvertretend für die Athmosphäre in der belgischen Szene (zumindest die nordbelgische haben wir ja gesehen), denen is die Stylepolice nämlich weitgehend scheissegal, und so wurde z.B. ein Pork-Pie mit Domestos-Hose kombiniert. Aber geil drauf und offen sind sie, man konnte einfach jede, sorry, jeden anquatschen und ins Gespräch kommen und sehr viel mit den Leuten lachen.

Nach den Moon Invaders folgten die Braces (natürlich mit einer halbstündigen pause, in welcher Flo, Plage und ich lieber wieder vor dem DJ tanzten - dies übrigens in jeder Pause). Da ich sie mag und musikalisch schätze, schreib ich nur, daß ich hoffe, daß die Band hinter dem gutgelaunten Jockel beim nächsten mal mehr Spaß in den Backen hat.

Danach gab's reichlich Gelegenheit zur Schelte durch Urs, denn Proyecto Secreto, ebenfalls aus Belgien und ebenfalls saugeil, hatten eine unglaublich bezaubernde Sängerin für 2 Songs am Start, der ich wenigstens kurzzeitig mal zu Füßen knien durfte und der für ne kurze Zeit mein Herz gehörte. Powergeldaen, 5 gut abgestimmte Bläser, in die Füße gehender Trad-Ska mit Latin-Elementen und einem Soca-Song, die Jungs lieferten für mich (auch ohne die Sängerin) tatsächlich das beste Set des Tages.

Der Autor dieser
Konzertrückschau mit
einem unbekannten Belgier
auf seinen Schultern

The Toasters, bzw. einer von Ihnen
Totaler Quatsch, daß jetzt schon die Toasters kamen, aber die Band ließ sich durch ihre Stellung als nur drittletzte Band wohl eher dazu animieren, erst recht knallgas zu geben. Sie hatten jedenfalls unglaubliche Spielfreude und Energie und Spaß und übertrugen diese nahtlos auf das Publikum und rissen einfach alle mit. Dazu gehörte auch der Sturm auf die Bühne und eine Gelegenheit für 2 junge Belgier, sich am Mikro als Chor zu versuchen - gar nicht peinlich, Herr Dude, sondern ganz im Gegenteil äußerst spaßig.

The Postmen hatten genau 5 Takte Zeit mit ihrem Genleman- / Seeed-mäßigen RootsReggae, dann gingen wir lieber zum Marokkaner, der für 3 EUR ordentliche Baguettes mit Filet oder Hamburger (das fleisch heißt nämlich so, nicht das Brötchen) plus Pommes sehr lecker zubereitete.
Genau in der Millisekunde, in der wir wieder den Hof ter Lo betraten, haute der DJ wieder seinen Mix für uns rein - wie abgesprochen - und wir tanzten noch einen mit unserer mittlerweile vielköpfigen belgischen (und französischen) Bekanntenschar. Rude Rich & The Highnotes, sowie nach ein paar Songs hinzukommend Alton Ellis zielten mit ihrem smoothen Material eher ins Herz, als in die Beine, wir konnten aber so langsam nach mittlerweile 7 Stunden tanzen auch nicht mehr so richtig. Eindrucksvoll die charismatische Bühnenpräsenz des bejahrten Jamaikaners, ebenso eindrucksvoll die Harmonie zwischen ihm und der Band, hatten sie doch vorher nur 3 Stunden gehabt, sich auf ihn einzuspielen.

Irgendwann nahm auch dieser schöne Tag ein Ende, und so traten wir dann die (nur von Witzbolden in Uniform hinter der deutschen Grenze unterbrochene) Heimreise an, wir hatten aber zur Enttäuschung der Grenzwächter einfach keine Drogen dabei.

Rude Rich & The Highnotes
Ich glaube fest, daß ich am Dienstag die geilste Package in einem Zusammenhang jemals auf der Bühne gesehen habe, jede der Bands war einabsoluter Knaller (wohl auch die Postmen, aber eher für die anderen). Das sollen alle anderen Festivals erst mal nachmachen.
bllinks.gif