The Slackers - Self Medication

Florian Heilmeyer 10/2008:»Darf ich mich hier ganz kurz selbst zitieren? Ja? Danke: 'Immer wenn die beste derzeit lebende Band für traditionellen Ska eine neue Platte herausbringt, dann hüpft und pocht mein Herz und ich frage mich, wie lange die SLACKERS dieses von ihnen selbst definierte Niveau wohl halten können' – so habe ich meine Rezension von 'Peculiar' 2006 begonnen. Und die 'Peculiar' war super. Nun ist das insgesamt 14. Album dieser New Yorker Super-Skagruppe erschienen (darunter allerdings auch drei Live-Alben) und wieder war da dieses Herzklopfen als das Paket im Briefkasten lag.

Never judge a book by its cover – und eine CD? Ehrlich gesagt, die Gestaltung von 'Self-Medication' ist total daneben – es sieht aus wie eine merkwürdig missglückte Mischung aus Nick Cave, White Stripes und einer beliebigen Gothic-Band: schwarz-weiß und blutrot sind die Farbe, vorne trägt ein Mann eine (tote?) Frau. Gut, dass wir hier über die Musik sprechen wollen.

Die Slackers sind auf ihren letzten Alben schon immer mal sehr nachdenklich, dubbig und dunkel gewesen – hier übertreiben sie es für meinen Geschmack. Vielleicht liegt es auch an dem etwas unglücklichen Free-Jazz-Saxophon, mit dem der großartige David Hillyard die Platte eröffnet. Bis zum sechsten Lied muß man durchhalten, dann wird allerdings den meisten Bands in weniger als drei Minuten gezeigt, wie Ska funktioniert: großartig, rhythmisch, dunkel, traurig, kräftig, pulsierend, jazzige Echo-Stimme, brillante Soli, fette und punktgenaue Bläsersätze: 'Leave Me' ist ein weiteres Slackers-Lied für die Ewigkeit des Ska. Nach 'Leave Me' folgen wieder langsamere Stücke, aber hier hat die Platte mit 'Eviction' und 'Happy Song' ihre stärkste Phase, und am Schluss klingt sie mit einem netten 'Sing Your Song' auch sehr versöhnlich aus – aber insgesamt eine ungewöhnlich dunkle und traurige Platte: Herzschmerz, Herbst, Arbeitslosigkeit, Selbstmord, das Ende der Liebe und der schönen Dinge, davon singen sie. So klingt es dann eben auch.

Nicht dass wir uns hier missverstehen: wir beurteilen die Slackers nach ihren eigenen Maßstäben und die sind sehr hoch. Aber in diesem Kosmos und als jemand, der von ihren 14 Alben 12 besitzt, darf ich wohl sagen: das ist keine der starken Slackers-Platten – auch wenn sie dann immer noch besser als viele andere Platten ist und alleine 'Leave Me' schon den Kauf der Platte rechtfertigen würde. Ach, aber am Herzklopfen wird es nichts ändern, wenn in vielleicht einem Jahr die nächste Platte herauskommt


Tracks:
1. Every Day Is Sunday
2. Don't You Want a Man
3. Don't Forget the Streets
4. Estranged
5. Stars
6. Leave Me
7. Eviction
8. Happy Song
9. Self Medication
10. Don't Have To
11. Walking with Myself
12. Sing Your Song
CD: Moanin’ Records, 2008

Diesen Tonträger bei Amazon.de bestellen.