The Tips: High Sobriety

Florian Heilmeyer: »Alter, was ist denn hier los? Das ist ja der absolute Knaller!

Also ich mach das ja so: Wenn Tonträger von Bands kommen, von denen ich noch nie etwas gehört habe, dann höre ich erstmal. Das bedeutet, ich schau mir nicht mal die CD oder das Cover an oder das Booklet oder wo die Band herkommt oder wo das Label sitzt. Nur so kann man sich nämlich ganz unvoreingenommen der Musik widmen.

Letztens also habe ich wieder einen ganzen Stapel dieser (mir) unbekannten Bands durchgehört und auf einmal musste ich mich wundern. War mir da eine alte Sublime-Scheibe dazwischen geraten? Das klang so vertraut, so rockig-dubbig und vor allem: diese Stimme! Das ist doch Brad Nowell. Aber dann: die Songs kenn ich ja gar nicht. Und Brad ist 1996 am Heroin gestorben, es sei denn, man möchte den Verschwörungstheoretikern folgen, nach denen er mit Elvis, Michael Jackson und Bob Marley auf einer verschollenen Insel lebt und jeden Tag jammt.


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The Tips-Website

Also: das hier ist auch gar nicht Sublime, auch nix kalifornisches, sondern, achtung, Deutschland: The Tips aus Neuss. Die erste Platte nach eine kleinen EP 2010! Was die Frage aufwirft: wie weit kann man von Kalifornien weg sein und trotzdem danach klingen? (Selbst das Cover sieht ja – absichtlich? – vage nach der "Sublime" aus) Und wie können manche Debuts so unverschämt souverän und entspannt klingen?

Als sei da nix dabei: 'High Sobriety' geht mit einer fantastischen Mischung aus Ska, Dub und ein wenig Rock rein wie warme Honigmilch. Genau wie Sublime (der Sänger klingt sooooo unfassbar ähnlich, man muss dauernd ne Träne verdrücken!) spielen die Jungs unfassbar entspannt, souverän und zu dritt – aber wenn dann mal ein Gast-Saxophon im Hamburger Studio vorbeischaut, dann wirds richtig warm und hallig. Das ist eine von diesen unfassbar großartigen Platten, die beim ersten Mal schon wie eine alte Bekannte klingt, im guten Sinne. Das schubbert an den richtigen Stellen, das groovt, das schwingt und klingt. Und wenns zu Ende ist, dann hören wirs einfach von vorne. Jetzt schon meine Entdeckung des Jahres! Danke für diese Platte!«

Tracklisting
1. Intro
2. Mary
3. Down High
4. 24 Hours
5. Good to be home
6. Radio Dub
7. Where the sun
8. Ammunition
9. When we write a song
10. Beautiful summertime
11. Sweet girls
12. They
13. High Sobriety
14. Outro
CD: (Rotlicht Records, 2012)

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